Die Küster und Schullehrer zu Raven

Diese Aufstellung ist der Schulchronik entnommen und ergänzt durch Angaben aus den Forschungsarbeiten von Dr. Friedrich Wilhelm Reineke aus Salzhausen (1926-2018), hier aus dem Artikel "Ravener Küster gab schon 1529 Unterricht. Die Geschichte des Kirchspiels Raven, in: "Marsch und Heide". Wochenendbeilage des WA für Geschichte, Heimatkunde und Kultur, 21. März 1970  
(WA: "Winsener Anzeiger")

Die Küster und Schullehrer zu Raven

Diese Aufstellung ist der Schulchronik entnommen und ergänzt durch Angaben aus den Forschungsarbeiten von Dr. Friedrich Wilhelm Reineke aus Salzhausen (1926-2018), hier aus dem Artikel "Ravener Küster gab schon 1529 Unterricht. Die Geschichte des Kirchspiels Raven, in: "Marsch und Heide". Wochenendbeilage des WA für Geschichte, Heimatkunde und Kultur, 21. März 1970  
(WA: "Winsener Anzeiger")

Namensliste

 

Karl Methling, geb. 25.05.1902, gest. 16.01.1996 (01.04.1960 bis zur Schließung der Ravener Schule)

Erwin Brauß, geb. 23.2.1931 (12.12.1957 - 1.4.1960)

Johann Albert Wilhelm Ehlert, geb. 14.10.1899 (Lehrer 1.3.1946 bis 1.11.1957)

Ernst August Hugo Lüthge (1906-1945), Küstersehn aus Rhode 

Karl Friedrich Ernst Julius Wolter (1870-1906), Sohn dies Lehrers Lüdeke Wolter zu Luhdorf, der seit 1849 Küster in Blspingen ist (50- jähnges Dienstjubiläum) 

Jürgen Heinrich Wörmer jun. (1824-1870), Sohn des Vorgängers, seit 1823 Adjunkt seines Vaters (sein Sohn, Jürgen Heinrich Ludwig, Lehrer in Hoopte) 

Jürgen Heinrich Wörmer (März 1809 bis 1823), vorher Lehrer in Borstel bei Winsen

Ludwig Hohlert (1765-1808), vorher Lehrer zu Hunden und Bardewiek (sic)

Johann Heinrich Reichenberg (1738 - 1765), Sohn des Lehrers Chrlstian Reichenberg zu Rottorf, abgesetzt wegen Holzdiebstahls in der Pastorenkoppel, Schwiegersohn seines Vorgängers 

Menk Meyer (1720 - 25.09.1738) aus Bispingen, Schwiegersohn seines Vorgängers 

Johann Lörtzer (1709 - 29.06.1720), Küstersohn aus Drennhausen 

Hans Meyer (1681 - 28.11.1709); Sohn -des Stiftsmeiers zu· Raven, Schwiegersohn des Vorgängers (sein Bruder Christoff wird 1681 wegen "Sodomirerei" mit seinem Objekt. einer Kuh, in Garlstorf auf dem Landgericht verurteilt und öffentlich verbrannt)

Stefan Janich (1681)

Klaus Hacke (1676 - ?)

Dietrich Volkmann (1646-76). verhinderter Theologe (studierte in Helmstedt bis 1646), Bürgermeistersohn aus Winsen

Erstmals ist für das Jahr 1529 ein Küster in Raven belegt, der die Kinder unterrichtete.

"Als im Jahre 1586 ein heftiger Streit zwischen dem Pastoren zu Raven "Ehren" Johannes Bolten und seinen kirchlichen wie weltlichen Herren entbrennt, erfahren wir zum erstenmal etwas von der Existenz einer Schule zu Raven schon vor der Reformation (1529). Hierbei kann es sich kaum um eine Volksschule gehandelt haben, vielmehr wird der katholische Küster der 1231 von Bischof Graf Iso von Wölpe zu Verden aus dem reichen Güterbesitz der Grafen gestifteten Pfarrherrobedienz die Kinder der Stiftsgutsleute in seinem Küsterhaus unterrichtet haben. Vielleicht wurde auch wie zum Beispiel In Salzbausen eine. sogenannte Singschule zur Ausgestaltung der Messen abgehalten." (Reineke, a.a.O.)


"Die Dörfer Soderstorf und Evendorf haben seit 1667 einen Lehrer. Er besaß noch kein festes Schulhaus, sondern pendelte zwischen beiden Dörfern, Rolfsen erhielt um das Jahr 1687 den ersten Lehrer, Wetzen um das Jahr 1709." (Reineke, a.a.O.)

 

 

Früheste bekannte Küster

 

Der Herr Pastor Halven ist so freundlich gewesen mir die nachstehenden Nachrichten zu geben.

Der Küster vor Janich hieß Klaus Hacke.
Der erste Küster, von welchem die hiesigen alten Kirchenbücher Kunde geben, war Stephan Janich; er starb den 13. Februar 1692 hochbetagt, nachdem er seine Frau Catherine Schröder 1689 durch den Tod verloren, unter der Pflege seiner Tochter Anna. Die alten Nachrichten bemerken noch, daß Pastor und Küster beim Begräbnis der Frau Janich, bei seinem (Janichs) Begräbnis 5 Gesänge gesungen haben.
Ihm folgte im Amte Hans Meyer, eingeführt als Küster zu Raven am 19. Oktober 1681, lässt taufen von 1687 an. Er ist warscheinlich der Mann, der vor erwähnten Tochter Janichs, Anna, und vielleicht seinen Schwiegervater adjungiert gewesen. Er starb den 28. Novbr. 1708.
Johann Lörtzer aus Drennhausen, eingeführt am 24. April 1709, stirbt als Emeritus den 29. Juni 1720 in Weddermöden, von einer Reise von Hamburg kommend, nachdem auch seine Frau, Anna Kunigunde, während eines Besuches bei ihrem Sohne Johann Lörtzer in Drennhausen am 21. Mai 1717 verstorben ist. Ihm ist adjungiert:
1. Sein Sohn Johann Lörtzer, der später nach Drennhausen kommt, warscheinlich als Küster und sich dort mit Catharine Magdalene Müller verheiratet am 28. November 1719.
2. Menk Meyer aus Bispingen, welcher Ende des Jahres 1717 als Küster in Raven sich mit Margarete Elisabeth Lörtzer verheiratet (eine Schwester derselben hat sich im August 1717 mit dem Musquetier Heinrich Evers in Lüneburg vom Malwinschen Regimente nicht in Ehren verheiratet). Er starb an der Schwindsucht den 25. September 1738.
Ihm folgte im Amte Johann Heinrich Reichenberg aus Rottorf; verheiratet den 31. März 1739 mit Eleonore Elisabeth Meyer geb. den 4. September 1718, Tochter des Menk Meyer. Er lebt gleichzeitig mit dem Cantor Lörtzer in Bardowik und dem Küster Lörtzer in Amelinghausen. Starb 1765.
Ludwig Hohlert von 1765 bis 1808. Es folgt ihm Jürgen Heinrich Wörmer vom März 1809 bis 1823. Er war früher Schullehrer in Borstel bei Winsen an der Luhe. Starb nach beschwerlichem Krankenlager 1829 an Entkräftung, 69 Jahre alt, nachdem ihm seine Frau schon 1819, 53 Jahre alt, gestorben war.
Von 1823 an war ihm sein Sohn, Jürgen Heinrich Wörmer, adjungiert. Dieser war geboren zu Borstel am 21. Dezember 1802 und erhielt nach dem Tode seines Vaters 1829 die Küsterstelle. Er hatte das Seminar in Hannover besucht und wird von denen, die ihn kannten, als ein strebsamer, tüchtiger Lehrer geschildert. In rationalistischen Anschauungen großgeworden, wurde es ihm schwer, sich mit den späteren Pastoren, besonders mit dem Pastor Oehme, zu vereinigen, und es entstanden daraus Zwistigkeiten, welche ihm bittere Stunden bereiteten. Er versah bis in den letzten Tagen seines Lebens oft unter großen Schmerzen und in großer leiblicher Schwachheit seinen Dienst als Lehrer. Die Küstergeschäfte besorgten für ihn die Lehrer der Pfarrchie (Parochie?), besonders Konau Wetzen und Meyer Soderstorf. Er starb an Entkräftung am 15. März 1870 in einem Alter von 67 Jahren 2 Monaten und 22 Tagen. Seine beiden Söhne erwählten den Lehrerberuf: Heinrich, der älteste, war erst Lehrer in Wuhlenburg, später in Hoopte, und ist jetzt in Neuland b. Harburg. August, der jüngere, welcher ein Jahr das Seminar in Lüneburg und danach drei Jahre das Hauptseminar in Hannover besuchte, stand zuerst in Neuland und ist jetzt Küster und Lehrer in Altenwerder. Zu dem letzteren ist die Mutter 1870 gezogen und darselbst 1876 verstorben. Die einzige Tochter Elisabeth ist in Kirchgellersen verheiratet und darselbst verstorben.

Wolter


1870  Wolter, Karl Friedrich Ernst Julius (geb. 4. April 1838)


Ich bin geboren am 4. April 1838 zu Luhdorf, Parach. (Paroch., also Gemeinde) Pattensen im Lüneburgischen. Mein Vater war der Lehrer Lüdeke Wolter darselbst und meine Mutter hieß Albertine Julie Amalie geb. Reents. Sie starb bereits drei Tage nach meiner Geburt. Am 25. April 1838 wurde ich in der Kirche zu Pattensen getauft und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Karl, Friedrich, Ernst, Julius. Meine große leibliche Schwachheit bedurfte der aufopfernsten Pflege und diese wurde mir durch meinen Vater, meine Großmutter mütterlicherseits und die Schwester meiner Mutter reichlich zuteil. Durch Gottes Gnade blieb ich am Leben und wuchs langsam heran; im vierten Lebensjahre versuchte ich, allein zu gehen. Im Herbste 1849 wurde mein Vater als Küster und Lehrer nach Bispingen versetzt. Am Sonntage Palmarum, dem 4. April 1852, also an meinem Geburtstage, wurde ich in der Kirche zu Bispingen durch den Herrn Pastor Weyhenke confirmiert. Jetzt trat die Frage über die Wahl meines künftigen Lebensberufes an mich heran. Mein Verlangen war Lehrer zu werden; es war jedoch zweifelhaft ob meine Kräfte für diesen Beruf ausreichen würden. Mein Vater wandte sich deshalb an den damaligen ersten Hauptlehrer des Lüneburger Seminars, den seligen Langrehr, und dieser riet ihm, mich Lehrer werden zu lassen. Ich wurde deshalb Michaelis 1853 nach Winsen a.d. Luhe zu dem Rector Köhler geschickt, welcher damals in Gemeinschaft mit dem jetzigen Schulinspektor Backhaus in Osnabrück viele junge Leute für das Seminar vorbildete. Bis zum August des Jahres 1855 blieb ich hier und kam dann zuhause. Im September 1855 versah ich den Schuldienst in Niederhaverbeck Parah. (Paroch.) Bispingen; im Dezember wurde diese Stelle mit einem Seminaristen besetzt. Verhandlungen über die Annahme anderer Stellen zerschlugen sich und war ich bis Johannis 1856 zuhause. Um diese Zeit suchte der Oeconom Soest in Lübberstedt für seine fünf Kinder einen Hauslehrer; der Superintendent Fiedler in Pattensen, an den er sich wandte, schlug mich vor und ich wurde bis Michaelis desselben Jahres angenommen. Michaelis 1856 erhielt ich die Citation zur Aufnahme in das Seminar zu Lüneburg. Ich bestand die Aufnahmeprüfung. Meine Lehrer waren: der Inspector Becker, nachheriger Oberschulinspector in Aurich, jetzt schon seit mehr als 10 Jahren tot, Hauptlehrer Bode, jetzt noch am Lüneburger Seminare 1901, Hauptlehrer Weinhold im ersten und Schlepper im zweiten Semester. Als Musiklehrer hatten wir Herrn Storme, weiland Organist am St. Michaelis in Lüneburg.
Michaelis 1857, nach Beendigung des einjährigen Seminarkursus, wurde mir die provisorische Versehung des Schuldienstes in Niederhaverbeck (siehe oben) übertragen und der Herr Pastor Baethgen aus Bispingen wies mich am 13. Oktober 1857 in diesen Dienst ein. Meine Confirmation und damit meine definitive Anstellung datiert vom 12. April 1859. Hier blieb ich 13 Jahre bis zum September 1870. Nach dem Tode des Küsters Wörmer bewarb ich mich um die hiesige Küster und Schulstelle, erhielt aber zuerst die Nachricht, daß königliches Konsistorium den ältesten Bewerber, Lehrer Lüdemann in Barnstedt, die Stelle verliehen habe. Da dieser aber zurücktrat, so wurde ich, als der zweitälteste, zum Küster und Schullehrer zu Raven ernannt. Am 16. September 1870 siedelte ich nach hier über und wurde am 18. September durch den Herrn Pastor Halven hierselbst eingeführt. Am 22. Mai 1874 verheiratete ich mich mit Emma Friederike Magdalene Kohrs. Noch will ich hier bemerken, daß vor meiner Versetzung nach Raven die Schulen von Raven und Rolfsen combiniert waren, und ich in den Tagen vom 19. bis 24. September 1870 die Schüler von Rolfsen mit unterrichtete. Nach Michaelis 1870 bekamen die Rolfsener ihren eigenen Lehrer. Kantor Wolter trat am 1. November 1906 in den wohlverdienten Ruhestand. Er verließ Raven nicht. Er wohnte mit im Pfarrwitwenhause und starb darselbst am 25. November 1909 im Alter von 71 Jahren.
(Lüthge)

Lüthge


1906.  Lüthge, Ernst August Hugo (geb. 20. März 1877)


Ich bin geboren am 20. März 1877 als Sohn des Küsterlehrers Heinrich Lüthge zu Rhode, Kreis Gifhorn. Nachdem ich mich entschlossen hatte, den Lehrerberuf zu ergreifen, schickte mich mein Vater auf die Prächerantenanstalt nach Gifhorn, welche damals unter der Leitung des Anstaltslehrers Meyerholz stand. Von Michaelis 1895 bis dahin 1898 empfing ich meine weitere Ausbildung zum Lehramte auf dem Seminar zu Lüneburg. Dasselbe hat auch mein Vater besucht. Er gehörte zu den Zöglingen des ersten Kursus 1851-52. Nach Eröffnung des Seminars zu meiner Zeit leitete der Seminardirektor Schulrat Bünger die Anstalt. Nach bestandener Abgangsprüfung erhielt ich zum 1. November des Jahres 1898 die Schulstelle zu Wetzen, Kreis Winsen a.d. Luhe. Der 28. November d. J. war der Tag meiner Vereidigung. Dieselbe geschah durch den Kreisschulinspektor Herrn Pastor Bode in Egestorf. Am 11. Dezember, dem 3. Adventssonntage 1898 wurde ich durch Herrn Pastor Becker in der hiesigen Kirche in mein Amt eingeführt. Bei derselben hatte ich eine Katechese über die dritte Bitte zu halten. Nachdem ich etwa ein Jahr meines Amtes gewaltet hatte, wurde ich am 3. Oktober 1899 zu einer zehnwöchigen militärischen Übung nach Celle eingezogen. Während dieser Zeit erkrankte ich an Bronchialkatarrh. Die Krankheit war aber schnell zur Besserung, so daß ich schon nach Verlauf von 8 Tagen das zur Heilung aufgesuchte Lazarett verlassen konnte. Im selben Jahr 1900 wurde ich abermals 6 Wochen aus meiner Schultätigkeit herausgerissen. Mein diesmaliger Übungsort war Hildesheim. Während meines dortigen Aufenthaltes wurde darselbst das Denkmal Kaiser Wilhelms I. enthüllt. Zur Feier waren auch die Majestäten erschienen. Ich hatte an diesem Tage Gelegenheit, dieselben in allernächster Nähe zu sehen, da ich mit zum Absperren der Straße kommandiert war. Wegen Krankheit fiel meine letzte vierwöchige Übung in den Herbst des Jahres 1902. Wiederum war Celle meine Garnison.
Vom 2. bis 5. Dezember d. J. machte ich meine zweite Prüfung in Lüneburg. Wir waren die ersten, die darselbst nach der neuen Prüfungsordnung geprüft wurden.
Am 27. November 1903 verheiratete ich mich mit Auguste Schlüter, Tochter des damaligen Kirchenvorstehers und Höfners Heinrich Schlüter zu Wetzen. Am Tage meiner Hochzeit erhielt die hiesige Kirche ein Harmonium, welches zu spielen ich gegen eine entsprechende Entschädigung übernahm. Mein Vorgänger konnte sie aus alterswegen sich dazu nicht mehr verstehen. Als derselbe nun auch am 1. November 1906 in den wohlverdienten Ruhestand trat, bewarb ich mich um die hiesige Küster und Lehrerstelle. Ich wurde sein Nachfolger. Am genannten gleichen Datum trat ich meinen Dienst hier an, nachdem ich 8 Jahre die Schule zu Wetzen verwaltet hatte.
Im August 1908 wurde mir hier mein zweiter Sohn Hans geboren. Weihnachten 1906 wurde der Lehrer Kruse dem benachbarten Rolfsen versetzt. Seit der Zeit habe ich nun bis jetzt, Ostern 1909, dort wöchentlich einmal nikerieren müssen. Königliche Regierung machte wegen des damaligen Lehrermangels den Versuch, die Rolfsener Schule mit der hiesigen zu vereinigen. Die Rolfsener Gemeinde war dazu aber nicht bereit. Sie ließ es auf eine Entscheidung des Ministers ankommen, der nun auch zu ihren Gunsten gesprochen hat.
Am 3. Mai 1914 wurde mein vierter Sohn Ernst geboren.
Im August dieses Jahres nahm der Weltkrieg seinen Anfang. Als Landwehr II. hatte ich mich laut Kriegsbeorderung meines Militärpasses am 17. August, dem 16. Mobilmachungstages, morgens 8 Uhr auf dem Schützenplatze in Lüneburg zu stellen. Zwei Tage vorher (15.8.) erhielt ich vom Bezirkskommando die Nachricht, daß meine Kriegsbeorderung ungültig sei, und ich einen besonderen Gestellungsbefehl abzuwarten hätte. Dieser kam etwa einen Monat später. Am 18. September sollte ich mich morgens 9 Uhr bei der Kavalleriekaserne in Lüneburg melden. Ich konnte jedoch nicht Folge leisten, da ich von einer Mandelentzündung krank im Bett lag. Eine ärztliche Bescheinigung mußte natürlich eingesandt werden.
Zum 23. November (14) bekam ich denn eine Vorladung zu einer Generalmusterung in Winsen (Schützenhaus). Ich wurde dort namentlich wohl wegen Kurzsichtigkeit für dauernd feld- u. garnisondienstunfähig erklärt. Demnach habe ich wohl keine Aussicht mehr, am Kriege teilzunehmen. Dasselbe Schicksal am gleichen Tage teilte mit mir der Lehrer Breithaupt aus Wetzen. Bei einer Nachmusterung der dauernd Untauglichen am 4. März 1916 wurde ich wieder dauernd garnisonverwendungsfähig. Eine spätere Einberufung zum Kriegsdienst ist trotzdem nicht erfolgt. Ich hatte dafür auch die Schule in Rolfsen während der ganzen Kriegsdauer und die Schulen in
Wetzen und Soderstorf zeitweise mit zu versorgen.
Am 31. März 1939 nach Vollendung des 62. Lebensjahres, hätte ich nach dem jetzt geltenden Gesetzen in den Ruhestand treten müssen. Aber wegen des augenblicklich herrschenden Lehrermangels erhielt ich am 7. März 39 vom Herrn Regierungspräsidenten die Nachricht, daß der Herr Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung durch Erlass u. gemäß des deutschen Beamtengesetzes meine Altersgrenze bis zum 31. März 1942, also bis zum 65. Lebensjahres, verlängert habe.
Am 31.12. 1945 bin ich auf meinen Antrag in den Ruhestand versetzt worden. Mein kirchliches Nebenamt, das 1929 vom Schulamt getrennt wurde, versehe ich mit Genehmigung des Landeskirchenamtes weiter wie bisher.

Ehlert



 1946  Ehlert, Johann Albert Wilhelm , geb. 14.10.1899.


Am 1.3.46 wurde mir mit Genehmigung der Militärregierung die hiesige Lehrerstelle widerruflich übertragen. Ich bin Flüchtling aus Pommern. Da ich zudem während des ganzen Krieges Soldat war, muß ich nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht von vorne anfangen. Ich wohne privat im sogen. Pfarrwitwenhaus, da die Lehrerwohnung Eigentum der Kirche ist u. meinem Vorgänger solange zur Verfügung steht, als er das
Organistenamt ausübt.
1947. Im Mai d. Js. wurde hier bis zur Wiedereröffnung der Schule in Rolfsen eine weitere Lehrerstelle eingerichtet. Inhaber dieser Stelle ist der Lehrer Fritz Schmidt aus Bargstedt, Kr. Stade.
1948. Am 14. April d. Js. übernahm Lehrer Schmidt die wiedereröffnete Schule in Rolfsen.
1952. Mit Wirkung vom 1.3. d. Js. wurde meine bisherige widerrufliche Anstellung in eine lebenslängliche, unter Wiederberufung in das Beamtenverhältnis, umgewandelt. Ich bin nun 6 Jahre in Raven tätig, und das stille Heidedorf ist mir zur zweiten Heimat geworden. Vor sechs Jahren stand ich als ostdeutscher Flüchtling noch buchstäblich vor dem Nichts. Nun ist auch hier, ebenso wie im übrigen Westdeutschland, das Leben allmählich wieder in normale Verhältnisse gekommen, eine Tatsache, die alle ostdeutschen Lehrer, die vor dem
totalen Zusammenbruch so unerbittlich getroffen wurden, niemals für möglich gehalten hatten.

1956. Am 1. Februar d. Js. trat der Kantor Lüthge als Organist in den Ruhestand. Mit diesem Zeitpunkt übernahm ich das Organistenamt an der hiesigen Kirche. Die Urkunde über die Verleihung der Anstellungsfähigkeit als nebenamtl. Kirchenmusiker in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers erhielt ich im August dieses Jahres vom Landeskirchenamt. Die Genehmigung zur Ausübung dieses Nebenamtes wurde mir mit der Regierungsverfügung II U 2 (18) vom 8.5.56 erteilt.

1957. Am 1.11. d. Jahres wurde ich auf Antrag an die einkl. Schule in Meetschow, Kr. Dannenberg-Lüchow versetzt.
Ehlert

Brauß


1957. Brauß, Erwin, geb. 23.2.1931


Am 13.12.1957 übernahm ich vertretungsweise als apl. Lehrer die einklassige Volksschule Raven.
Ich hatte meine Lehrertätigkeit im gleichen Jahre in Eversen, Krs. Celle begonnen. Dort führte ich seit 1.4.57 die 28 Kinder des 3. Schuljahres innerhalb der 4-klassigen Volksschule, so daß der Sprung nach Raven für mich nicht einfach war, zumal ich als Nichtorganist im Küsterhaus wohnen mußte.
Zunächst war die Gemeinde Raven froh, bei dem z. Zt. herrschenden Lehrermangel überhaupt ieder einen Lehrer zu bekommen. Ich sollte ein Vierteljahr in Raven bleiben, bis dahin hoffte die Kirchengemeinde, einen orgelspielenden Lehrer gefunden zu haben.
Aus diesem Vierteljahr wurden dann 2 und ¼ Jahr, bis ich darum bat, mich mit Rücksicht auf meine Vorbereitung zur 2. Lehrerprüfung an eine mehrklassige Schule zu versetzen.

Mein Lebenslauf:
Nachdem ich in meinem Heimatdorf Bad Pyrmont meine Schulausbildung abgeschlossen hatte, erlernte ich zunächst das Tischlerhandwerk.
Ich wechselte dann (1950) in die soziale Jugendarbeit über und arbeitete in den Kreisen Witzenhausen, Göttingen und in Dortmund.
Nach einer Aufnahmeprüfung (1954) konnte ich Ostern 1954 an der Pädagogischen Hochschule Osnabrück mein Volksschullehrerstudium beginnen und legte dort nach 6 Semestern im Frühjahr 1957 das 1. Examen als Lehramtsanwärter ab.
Mit Wirkung vom 1.4.1960 wurde ich an die Volksschule Winsen/Luhe versetzt.

Methling

 

 


1960. Methling, Karl, geb. 25.5.02.


Mit Wirkung vom 1.4.60 übernahm ich auf Wunsch von Herrn Schulrat Zemlin die hiesige Schulstelle. Ich kam von der mehrklassigen Schule in Radbruch. Da ich geschieden war, machte mir der Anfang hier ziemliche Schwierigkeiten, da in dem kleinen Dorf sehr schwer eine geeignete Person für meine häusliche Betreuung zu finden war. Doch dieser Sorge wurde ich bald enthoben. Bereits am 20. Juli 1960 konnte ich mich wieder verheiraten. Wir hatten unser Heim gemütlich eingerichtet und fühlten uns ganz wohl. Doch bald traten neue Schwierigkeiten auf. Im benachbarten Wetzen trat ein Kollege aus meiner mecklenburgischen Heimat auf, namentl. Wilhelm Schubert, der geflüchtet war und dort seine 1. Schulstelle hier im Westen angetreten hatte. Er selbst war Organist, und da die hiesige Schulstelle ja eigentlich mit dem Organistendienst verbunden ist, war es zu verstehen, daß die Kirche den Wunsch hatte, die Stelle mit einem Organisten zu besetzt zu wissen. Die Schulaufsichtsbehörde in Winsen/Luhe hatte Ostern 1960 auch diesen Wunsch der Kirche respektieren wollen, indem sie den Lehrer Benecke aus Rehhof, der hier immer die Orgel gespielt hatte, auf die hiesige Schulstelle zu versetzen. Kollege Benecke hatte dem Schulrat auch zu 99% zugesagt,, zog aber in letzter Minute seine Zusage zurück.
Als nun der Kollege Schubert in Wetzen auftauchte, meinte die Kirche, das wäre der geeignete Mann für sie. Statt nun aber, wie es jeder anständige Mensch getan hätte, sich mit mir ins Benehmen zu setzen und die Angelegenheit zu besprechen, wollte sie mich vor vollendete Tatsachen stellen und hinter meinem Rücken meine Versetzung auf eine andere Schulstelle betreiben. Herr Schulrat Zemlin setzte mich von diesem Vorhaben der Kirche in Kenntnis, und da habe ich selbstverständlich sauer reagiert und mich einer Versetzung widersetzt. Die politische Gemeinde Raven unterstützte tatkräftig mein Bemühen. Herr Gellersen und Herr Schütte sind mit einer Liste herumgegangen, und sämtliche Eltern der schulpflichtigen Kinder haben unterschrieben, daß sie mit einer Versetzung nicht einverstanden seien. So fiel das unfaire Verhalten der Kirche unter den Tisch. Hätte die Kirche sich mir gegenüber so verhalten, wie es jeder anständige Mensch tut, so hätte ich durchaus dem verständlichen Wunsch der Kirchen entsprochen.
(Niedergeschrieben am 6. Juni 1963)

(S. 16-29)