Eyendorf

 Eyendorf: Völker & Stuhtmann

Heinrich (*29. September 1881 - 1962) war der jüngste der Stuhtmannschen Brüder aus Raven. Er heiratete nach Eyendorf. Dort hatte er Ella Völker (verstorben Januar 1966) kennengelernt, die älteste der drei Töchter von Zyriakus. Ella wird Heinrich zwei Töchter schenken, Magdalena Lieselotte "Matti" (*26.Oktober 1918) und Ursula Margarete Marie "Urschen"/"Ursi"/"Uschi" (*10. Februar 1921). 
 
Zyriakus Völker mit Frau und Töchtern Ella (hinten links - unsere “Oma Eyendorf” und ihre Schwestern Mathilde und Martha). Das Foto wurde wahrscheinlich 1922 in Thansen aufgenommen, am selben Tag wie das von Zyriakus’ Enkeln.

 

Heinz-Dieter wusste, dass Zyriakus in Eyendorf viel Geld hatte.
Als ihm die Eyendorfer Mühle zum Kauf angeboten wurde, Preis: 80.000 Reichsmark - die hatte er flüssig! -  lehnte er aber ab. “Und wenn de Wech dorhen mit Dukaten plastert weu, ick günn dor nicht hen und dä’t köpen,” sagte er. Hätte er nur - die Inflation fraß alles weg. (1922 begann sie zu galoppieren, und im November 1923 war der US-Dollar bei 4,2 Billionen RM notiert, das sind 4.200.000.000.000 Mark. Das Geld war das Papier nicht mehr wert, auf dem es gedruckt war. Ich habe noch einen Wisch von Gustav mit dem Aufdruck “20 Millionen” - Zeitungspapier ist das.

Aber woher sollte Zyriakus das wissen, wie es kommen sollte?

 
 

Dieses Bild ist von der Thanser Hauslehrerin Frl. Springstup aufgenommen worden, wohl im Sommer 1922 - Ursel im Kinderwagen, aber sehr klein und wohl noch nicht ganz fest auf den Beinchen.

Tante Lotti erzählt dazu, dass “Urschen” immerzu quiekte und Matti, die große Schwester, nicht recht wusste, wie sie die Kleine ruhig kriegen sollten. (Tante Lottis Gesichtsausdruck soll ihre Solidarität mit der Cousine ausdrücken.)
Da hatte jemand die rettende Idee, der Kleinen Urschen eine Apfelsinenspälte zu geben - darauf hat sie gerade gelutscht, und deswegen verzieht sie ihr Gesicht etwas.


 

Tante Lottis 90. Geburtstag am 23. Januar 2007


Am 23. Januar 2007 wurde Tante Lotti 90. Am 28. feierte sie in Groß Munzel (Tante Lotti ist kurz nach ihrem 95. Geburtstag im Februar 2012 verstorben.)
Eine ihrer Nichten hielt die folgende Ansprache, die eigentlich alles sagt:

 

Ein Engel namens Lotti

Es begab sich zu der Zeit im Jahre 1917 am 23. Januar, dass in Hannover dem Ehepaar Wilhelm und Marie Gohde ein Mädchen geboren wurde. Sie nannten es Charlotte und gaben dem kleinen Kind Ihre ganze Liebe, Mut, Stärke und Zuversicht mit auf ihren Lebensweg. Von diesen vier Tugenden sollten noch viele Menschen, die ihr in ihrem langen Leben begegneten, profitieren.

Charlottes Stärke wurde schon in hrem 16. Lebensjahr geprüft, als sie ihre Eltern verlor. Da sie aber immer ein braves Mädchen war, kümmerte sich die Verwandtschaft gern um ihren weiteren Lebensweg. Ihren Schulabschluss erreichte sie in Hannover. Die Familien Bohrßen, Gohde/Kokemühle und Gohde/Hannover sorgten für eine gute Ausbildung in allerlei Fähigkeiten. In Bad Rehburg lernte sie die Hauswirtschaft, so dass sie auch in hoch herrschaftlichen Häusern wie der Hämelschenburg arbeiten konnte. Tante Marie Bohrßen sorgte auch dafür, dass das Mädel in Hannover das Nähen lernte. Sie tat das alles mit Liebe, Mut, Stärke und Zuversicht.

Alles sollte sich gelohnt haben, denn als Wilhelm Hasemann aus Groß Munzel diese hübsche junge Frau kennen lernte, die auch noch so praktisch veranlagt war, stand für ihn fest: Dies soll meine geliebte Frau werden.
Nicht nur er, sondern auch sein Hund Peter besuchten nun Lotti regelmäßig in der Mühle. 1940 wurde dann in Groß Munzel geheiratet und - oh Wunder - ganz schnell kam dann die kleine Tochter Charlotte auf die Welt, 1943 der kleine Wilhelm und das Glück schien nun vollkommen zu sein. - Aber nein! Lottis Mann kam nicht aus dem Krieg heim.

Verwitwet und traurig ordnete Lotti ihre Gedanken neu und lenkte ihren Blick nun nach vorn. Mit Liebe, Mut, Stärke und Zuversicht zog sie Ihre beiden Kinder groß. Trotz all der Arbeit zu Hause im Stall und Garten war sie bei Familienfeiern in der Verwandtschaft immer zur Stelle und hat auch dort mit geholfen und ihre ruhige angenehme Art war eine Bereicherung bei manchem Stress und mancher Hektik.

Viele Anfeindungen und Widerstände in ihrem jungen Leben haben sie nicht von ihrem Weg abgebracht, den Hof für ihren Sohn Willi zu erhalten. Als allein erziehende Mutter und dann auch noch als  Eingeheiratete hatte sie bei mancher Verwandtschaft oft keinen leichten Stand. Immer haben Liebe, Mut, Stärke und Zuversicht sie wieder aufgebaut.

Als im Jahre 1968 ihr Sohn Willi zu einem großen starken jungen Mann herangewachsen war und endlich den Hof übernehmen konnte, ist es Gott sei Dank harmonischer auf dem Anwesen geworden. Die Heirat von Willi Hasemann mit der lieblichen Anneliese Alten aus dem idyllischen Nachbarort Barrigsen war ein Fest der Freude für alle. Ab jetzt konnte Tante Lotti ihr Leben endlich einmal in ruhigeren Bahnen sehen.

Ihre Tochter, die von uns die  lüttje lange Lotti genannt wurde, war eine erfolgreiche Bankerin geworden und verließ 1970 das Haus, um in Hannover eine eigene Wohnung zu beziehen.

Die ruhigeren Bahnen waren aber schon bald ausgefahren. Die Enkelkinder Dietmar, Carsten und Jörk brachten mächtig Stimmung ins Haus. Wieder war ihre Freude groß und sie genoss diese Zeit mit der Familie mit Liebe, Mut, Stärke und Zuversicht.

Die Liebe die sie ihrer Familie schenkte, wurde auch zeit ihres Lebens unserer Familie zuteil. Es gab keine brenzlige Situation zu hause wo nicht jemand sagte: Tante Lotti kann uns helfen, frag doch mal Tante Lotti, wenn Tante Lotti kommt, wird wieder alles gut.

Und Tante Lotti hat uns immer geholfen. Sie war immer für uns da. In jeder schwierigen Situation haben wir von ihrer Liebe, ihrem Mut, ihrer Stärke und ihrer Zuversicht erfahren.
    

Es gibt blaue Engel, gelbe Engel,
Erzengel und Schutzengel.
Wir haben den besten Engel von allen;
unser Engel heißt Tante Lotti.


Tante Lotti ist am 4. März 2012 kurz nach ihrem 95. Geburtstag verstorben. Die Traueranzeige ist hier.