Arbeit auf dem Hof früher

Was heute als "konventionelle" Landwirtschaft bezeichnet wird, ist eigentlich noch keine 50 Jahre alt. In den 60er und 70er Jahren setzte der Umbruch zu einer hoch leistungsfähigen und mechanisierten Wirtschaftsweise ein. Helmut hat 1969/70 den Betrieb auf reinen Ackerbau umgestellt. Die letzte Kuh verließ 1970 den Hof, und 1975 wurde auch die Rinder- und die Schweinemast eingestellt.
"Nu büst Du kein Buer mehr, nu büst Du 'n Farmer", sagte Witten Karl da zu Helmut. Für ihn hatte ein Bauer Ackerbau und Viehwirtschaft zu betreiben, nicht eines von beiden oder Hochspezialisiertes.
Aus alten Fotoalben habe ich einige Bilder zusammengesucht, die zeigen sollen, wie es vor 100 bis 50 Jahren zuging, als erst Gustav, dann Helmut den Betrieb leiteten.

Bis Helmut es 1975 abgerissen hat, stand da im Eichhof das alte Backhaus.
Noch nach dem Krieg wurde hier Brot gebacken, hat Tante Emma erzählt.  - 
Das Backhaus wurde später als Schuppen für Hackholz genutzt.

Beim Dreschen (1958): Von dem Leiterwagen wurden die Garben in den Dreschkasten geführt, eine sehr gefährliche Arbeit, denn man konnte sich an den Messern schwer verletzen (ein Lohndrescher, "Gruben-Louis" genannt wegen der Staubschicht im Gesicht, der aber gelichwohl im weißen Hemd daherkam, hatte dabei einen Arm verloren).
Die Maschine wurde über einen Lederriemen vom Schlepper, einem Lanz Bulldog angetrieben. Der hatte eigens eine Vorrichtung für eine Riemenscheibe. Damit die Dreschmaschine in der richtigen Drehrichtung angetrieben wurde, musste der Riemen umgeschlagen werden.
Auf der Dreschmaschine mit dem Rücken zum Betrachter steht Heinrich Rieckmann, ihm gegenüber Ludwig Thiebe, auf dem Leiterwagen wohl Siegfried Scheefeld.
Das Bild hat Helmut 1958 vom Boden des Speichers gemacht.

 
Lange wurden Schafe gehalten; links: Blick auf den Schafstall (1962 abgebrannt durch Brandstiftung);
rechts: Schafe vor dem Schafstall

 
Vor dem Schweinehaus, mit dem Reisigbesen: Gustav Stuhtmann (undatiert, aber nach 1911, denn da wurde das Schweinehaus erbaut)

 
Der "Sood": Jeder Hof hatte einen eigenen Brunnen.
Der Sood stand hinter dem Haus, ein anderer im Garten an der Südwestseite. Erst in den 60er Jahren wurden alle Höfe und Haushalte an eine zentrale Wasserversorgung angeschlossen.

 
Der Wagenschauer zwischen der Scheune und dem Schafstall (1950): Bis auf einen gummibereiften Anhänger stehen nur Kastenwagen mit eisenbereiften Holzrädern. Der Verschlag rechts im Bild war Gustavs Hundezwinger.