Karl, der Berlin-Tourist

Karl hat zwischen 1908 und 1910 seinen Wehrdienst in Berlin als kaiserlicher Gardefüsilier abgeleistet. Aus Berlin hat er viele Ansichtskarten an seinen Bruder Hermann und an seine Eltern nach Etzen geschickt.

In Etzen findet sich auch ein Reklame-Faltblatt des Weltversandhauses (!!) S. Schröder aus Berlin S. 59, das er wohl beim Ausgang in der Stadt aufgelesen hat. (Dass die Kaserne mit Werbung beliefert wurde, ist schwer vorzustellen.) Da wird ein "Chronometer", also eine Taschenuhr beworben, eine Wetterstation, "Phonographen" (Vorläufer des Plattenspielers) werden verschenkt ...

Heute sind wir genervt von all der Werbung, damals aber war das etwas ganz Neues, zumal in dem kleinen Etzen.

Hier also das Reklameblatt, Vorder- und Rückseite:

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Schule in Amelinghausen

Alte Schule Amelinghausen,  Lehrer Freer und seine Schüler (Foto von 1930):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Hintere Reihe: Jungen (stehend): Johannes Albers, Heinz Schmidt, Otto Holert, Ernst Michaelis, Herbert Garbers, Heinz Brammer, Hermann Dierßen, Werner Ebel, Otto Busching, Helmut Brammer, Richard Ebel, Gustav Matthes;
2. Reihe: Mädchen (stehend): Mathilde Kruse, Frieda Cohrs, Erna Meyer, Hermine Stegen, Elisabeth Dierken, Gertrud Köllner, Elisabeth Wiechern, Franziska Nawrot, Emmy Dierßen, Gertrud Hedder, Henny Grabowski, Luise Kruse;
vordere Reihe: Mädchen (sitzend): Anni Inselmann, Lydia Bruns, Frieda Brennecke, Anni Rieckmann, A. Matthes,  (unbekannt), Hertha Frank, Alma Matthes, Hermine Rüter.

Geld

Witthöft hatte von dem Schmiedemeister Schenck in Amelinghausen 300 Reichstaler empfangen. Diesem und all seinen Erben wird in einem Schuldbrief die Rückzahlung in jährlichen Raten, verzinst zu 3% zugesichert.

Als Endesunterschriebener Köthner Jhann Georg Ludewig zu Etzen urkunde und bekenne für mich und meine Erben, daß mir die für ... Schmiedemeister Christian Schenck in Amelinghausen nachgelassenen minderjährige Kinder bestellten Vormünder, Vollhöfner Heinrich Christoph Hedder in Etzen und Jürgen Heinrich Rüter in Amelinghausen  auf mein bittliches Aufsuchen die Summe von 300 (man?) schreibt:

- Dreihundert Rthlr: in Courant -

als ein ... am heutigen Tage baar und in einer Summe ausgeliehen haben. Ich quittiere über den richtigen Empfang und verwende das geld zur Beazahlung des Ablösungs-Capitals für die bisher bestandene Zehntpflicht meiner Ländereien.
Laut Ablösungs-Recesses vom 9ten November 1838 zwischen den Zehntpflichtigen zu Etzen und der Königlichen Domainen Cammer zu Hannover ist die frühere Zehntpflicht der Eingesessenen durch Umwandlung in eine Geldrente abgelöset.
So beträgt mein Beitrag zu dieser Rente jährlich 14 Thlr 4 Mk 5 Pfg Courant. Diese auf mich gefallene Rente ist nun von mir durch Capital-Zahlung  abgelöset und beträgt solch Ablösungs-Capital 354 Thlr 14 Mk 5 Pfg Courant. Zur Bezahlung dieses Ablösungs-Capitals verwende ich nun das mir von den Schenckschen Vormündern vorgeliehene Capital der 300 Thlr Courant.

Insinuiert am 4. März1831
durch den Untervogt (Ehlbeck)

 

Ich verpflichte mich dies Capital von heute angerechnet mit 3 1/2  pro Cent also mit 10 Rthlr 12 Mk Courant zu verzinsen, dasselbe auch nachvoraufgegangener beiden Theilen jederzeit frei stehenden halbjährigen Kündigung in empfangener Münzsorte und in unzertrennter Summe zurückzuzahlen.
Zur Sicherheit der Gläubiger wegen des Capitals der 300 Thlr in Courant sammt Zinsen und etwaigen Kosten setze ich denselben mein gesammtes Vermögen zur öffentlichen und gerichtlichen Hypothek und und will das Königliche Amt Winsen a/d Luhe um deren Ingrapaton1 geziemend ersuchen.

gegebn zu Etzen den 30ten November 1839

Ludewig

 

Actum Amt Winsen a/d Lhe, den
30. November 1839

Erschien

der Schuldner Ludewig und producirte die vorstehende auf 300 Thlr Coirant lautende Obligation mit der Bitte um  deren gerichtliche Bestätigung und Ingraffation2.

 

Diese wird dann vorgenommen und durch ein Siegel bekräftigt;
"vorgelesen und genehmigt.
Actum ut supra (verhandelt wie oben beschrieben)

in fidem (zum Vertrauen = für die Richtigkeit, wie man heute schriebe)

Unterschrift

 

Ingraffiert eodem (an derselben Stelle eingetragen).

 

 

Quer am Rand ist nachgetragen der Vermerk über die Rückzahlung der Schulden:
Getilgt in den Amtsgrichtshäusern auf dem Grund der insinuierten Quittungen
Amt Winsen a/d Luhe den 30. Januar 1851

Ebert

 

Maria Schenck quittiert am 23. Dezember 1850 mit ihrer Unterschrift, dass die 300 Reichstaler zurückgezahlt owrden sind; das wird vom Amtsbogt Rieckmann an demselben Tage duch Unterschrift bestätigt.


 

 

1  Ingrapation (richtig: "Ingraphation"): Einschreibung, Eintragung

2  Einschreibung, Eintragunggf

Das Etzener Haus wurde vorbildlich renoviert

"Frischzellenkur", so schreibt die Landeszeitung (online-Ausgabe, 04.01.2017). Und das war es auch: Das etwa 140 Jahre Haus auf dem Hof Brammer in Etzen - das erste im Landkreis Lüneburg übrigens, das massiv aus Ziegeln und ganz ohne Fachwerk erbaut wurde - wurde von Carsten Brammer vorbildlich restauriert und modernisiert - ein Schmuckstück fürwahr, und Carsten ist stolz.
Hut ab!

Mehr steht hier (bitte klicken).

Decretum 7. November 1799

Nachdem Johann Heinrich Witthöft die Hofstelle in Etzen durch den Meierbrief vom 28. Oktober 1799 zugesprochen worden war, gab es offensichtlch Streitigkeiten mit den anderen Etzer Bauern um Wiesen aus den gemeinschaftlich bewirtschafteten Flächen, der "Gemeinheit", wie man damals sagte. Eine gütliche Einigung schien nicht möglich, so dass dieser Fall nach Winsen vor das "Königlich Churfürstliche Amt" ging. Dieses fasste unter dem 7. November 1799 den untenstehenden Beschluss (es folgt die Abschrift; ein Faksimile ist weiter unten - bitte hier klicken):

"Auf die von den Höfnern zu Etzen wegen der zu bebauenden wüsten Stellen daselbst eingereichte Vorstellung wird denselben zur Resolution1 ertheilet:
daß es der jetzt angebahnten Einwendungen ohngeachtet bei der am 16. September dieses Jahres vorgenommenen Ausweisung der Hausstelle, des Hof- und Gartenplatzes  und / der beiden Wiesenflecken für den neuen Köthner Johann Heinrich Witthöft sein Bewenden behalten. Denn
1) hat Königliche Cammer, als Gutsherrschaft, die Bebauung der wüst gewordenen Stelle zu Etzen beschlossen und den genannten Witthöft unwiderruflich damit bemeyert2 und weil ehe dem Wiesen dazu gehört haben, und ohne solche keine Landwirthschaft geführt werden kann. / Die Zuweisung eines geringen Wiesen Antheils aus der Gemeinheit3 von 2 1/2 Calenberger Morgen4 bewilliget.
2) Ist es völlig ungegründet, daß die Querulanten5 bei der Ausweisung der Wiesen nicht zugegegen waren: es war ihr freier Wille, daß sie sich entstanden6, und dennoch bestelleten sie auf ausdrückliches Begehren den mitunterzeichneten Johann Hinrich Meyer zum Bevollmächtigten, welcher bis zur völligen Beendigung des Geschäfts gegenwärtig geblieben ist; dies erweiset das Protocoll vom 16. September dieses Jahres, welches ihnen auf Verlangen communicirt werden kann. 
3) Bei der Ausweisung der beiden Wiesenflecke ist allerdings auf die Trift7 der Höfner sowohl als auf die Entbehrlichkeit des angewiesenen Raumes Rücksicht / genommen: (mustern?) wird, wenn der Anbauer die ausgesteckte Gränze beobachtet, nicht beenget; und letzterer ist den Querulanten bei ihrer weitläufigen Gemeinheit immer sehr entbehrlich8.
4) Die Verpflichtung des Anbauerns zum Beitrage zu den gemeinen Lasten betrifft; so hat er solche, wie sie am 8. Juni von der gemeinen selbst angegeben, mit übernommen, / und wird sich nicht entlegen, alle Ausgaben dieser Art nach der Qualität seiner Stelie im gehörigen Verhältnisß gegen die Höfner, so oft es erforderlich, zu leisten.
Die Querulanten werden daher mit ihrer Beschwerde zur Ruhe verwiesen.

Decretum Winsen den 7. November
              1799

Königlich Churfürstliches Amt

H.Meyer   A. Jacobi   H. Kannengießer"

 


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1  "zur Resolution": als Beschluss       

2 "bemeyert"  - geht auf das Recht des Landesherrn zurück, auf einer ihm gehörigen Hofstelle einen "Meyer", also einen Verwalter einzusetzen.

3 "Gemeinheit": seit dem Mittealter gab es das Recht, dass Gewässer, Wald und Wiesen von der Dorfgemeinschaft, also von allen Bauern gemeinschaftlich genutzt werden dürfen.

4 Calenberger Morgen: Im Königreich Hannover gebräuchliches Flächenmaß:
1 Morgen =  120 Quadratruten = 2616 Quadratmeter = 0,2616 Hektar; Witthöft bekam also aus der "Gemeinheit", der gemeinschaftlich genutzten Fläche 0,654 ha zugewiesen.

5 Querulanten : nicht abwertend, denn das Wort bedeutet "Beschwerdeführer"

6 "sich entstanden": sich fernhielten - sie waren also nicht erschienen

7 "Trift" - ein Weg, auf dem Vieh getrieben wird

8 "entbehrlich"; hier: sie können darauf verzichten

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Die Urkunde war so gefaltet, dass sie auch als Umschlag genutzt werden konnte (Papier war außerordentlich teuer!). Vorn steht "Johann Heinrich Witthöft zu Dehnsen", auf der Rückseite ein Vermerk, dass der Untervogt Ehlbeck am 3. Dezember 1799 benachrichtigt worden ist.
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