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Ein Brief zur Verlobung von Emma Wolter und Gustav Stuhtmann, Frühjahr 1905

Emma-1-2Im Frühjahr 1905, vielleicht zu Ostern (1905 war das am 23./24. April) haben sich Emma Wolter, Tochter des Küsters, Kantors und Schulmeisters Wolter in Raven, und Gustav Stuhtmann, Landwirt auf dem Hof Nr. 1 verlobt. Emmas Freundin Marie ("auf dem Rüterhof genannt 'Hörnchen'", wie sie selbst schreibt), die gerade in Bremen weilt, hat davon erfahren und schreibt ihr.

Den Wortlaut des Briefes habe ich aus Sütterlin transkribiert.
Unten ist das Original im Faksimile - man beachte das Rosenmuster und die Prägung auf dem Papier.

 

Bremen, 17.05.
1905

Meine liebe gute Emma!

Im Geiste reiche ich dir die Hand u. sage dir meine innigsten Segenswünsche. Du hast mich wirklig (sic) sehr überrascht.
Denn ich hatte wirklich keine blasse Ahnung. Nun wünsche ich dir, mein liebes Mädchen, von Herzen alles Gute. Mögest du recht glücklich und zufrieden werden! Gerne hätte ich persönlich gratuliert, doch leider ist mir dieses nicht vergönnt. Doch hoffe ich,  deinen Verlobten später einmal kennen zu lernen. Nun sag mir mal; kenne ich denn deinen Schatz? Ein junger Mensch namens Stuhtmann, war früher mal auf einer Hochzeit in Soderstorf mein Tischherr,  wie er mit Vornamen geheißen hat, weiß ich nicht, ist derselbe vielleicht der Glückliche? Ich möchte es doch ganz  gerne einmal wissen, sobald du irgend Zeit hast, schreibe mir doch einmal, natürlich auch deine Liebesgeschichten. Bitte, bitte, liebe Emma! Schreibe bald. Nun l. Emma will ich schließen. Ich freue mich schon auf meine Heimreise, vielleicht gehe ich zum Herbste für immer aus Bremen,  um immer wieder andere Luft zu genießen. Grüße deine lieben guten Eltern u. sage ihnen von mir die herzlichsten Glückwünsche. Nun lebe wohl liebe Emma u. sei herzlich gegrüßt von Deiner

treuen Freundin Marie
Im Rüterhof genannt
Frl. Hörnchen

Deine Zukunft werde rosig
So wie dieses Briefpapier    d.O.

 

 

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