Landwirt in Raven

Der Hof war unter Gustav Stuhtmann in einen Dornröschenschlaf gefallen.

Und nach dem Kriege waren über 25 Ausgebombte - die meisten aus Hamburg -  und Flüchtlinge untergebracht - davon auf einer besonderen Seite.

Mit Helmut setzt eine rege Bautätigkeit auf dem Hof ein.
Nachdem er ein paar Maschinen gekauft hat, reichen die Unterstellmöglichketien nicht mehr. 
Es wird ein neuer Maschinenschuppen gebaut (1954).
Mit Franz Quante ist ein tüchtiger “Schweizer” (Melker) auf dem Hof, und die Kuhherde ist herausragend in ihrer Milchleistung - die Kuh Dolly erreicht die - damals - sensationelle Jahresleistung von mehr als 10.000 l Milch - und das ganz ohne chemische Cocktails, Tierkadaver und was es sonst noch der Widerwärtigkeiten gab und gibt. Und wenn man schon am Haus baut, dann kommt die Küche gleich mit dran, und ein Badezimmer, eine Dusche sowie Spülklo (als ich fast 6 war!) werden auch gebaut.
Etwa zwei Drittel des Fachwerks wird entfernt und durch solide Verbund-Ziegelsteinmauern ersetzt; nun ist nur noch der Wohnbereich von Fachwerk umgeben, Küche und Waschküche erhalten ebenfalls Mauerwerk. Legt man die Abmessungen Länge x Breite = 40x15m zugrunde, so bleiben vielleicht in der Länge 40m Fachwerk übrig sowie die Giebel. Es wird ein recht massives Gebäude. Der Kuhstall bekommt statt des Stampflehms einen Zementboden und Wasserleitungen zu jedem Liegeplatz der Kühe, die in dem damals modernen Anbindestall stehen.

Bie der Gelegenheit werden Küche und Waschküche modernisiert und mit Terrazzofliesen ausgestattet sowie Badewanne und Spültoilette eingebnaut. Bis dahin waren wir auf eine Art "Trissebude" (wie in Astrid Lindgrens Geschichten von "Michel aus Lönneberga"), ein über der Jauchegrubee gemauertes Toilettenhäuschen hinter dem Schweinehaus gegangen - im Sommer stank es furchtbar und war voller Fliegen, und im Winter war es bitterkalt.

1962 wird die Kartoffelscheune gebaut, da, wo vordem der Schafstall gestanden hat. Der wird Pfingstmontag 1962 - es war der Abend des 11. Juni - angesteckt und brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Und er schafft Maschine auf Maschine an.

 

Im Vordergrund sieht man eine der Stützen, auf denen das Dach ruhte während der Umbauphase 1956.
Am Mittagstisch sitzen: (mit dem Rücken zum Betrachter) Hans Constien, Siegfried Scheefeld, Inge.
Das rechteckige Loch in der Wand ist eine Durchreiche - Gustav und Emma hatten nebenan ihr Eßzimmer. Die Speisen konnten hindurchgereicht werden. Man beachte auch das Ofenrohr in der Bildmitte oben.
Nachsatz: Inge hieß bei Ursel “die Stütze”; und ich habe gedacht, sie müsste beim Umbau auch das Haus stützen. Pardon - ich war damals gerade erst 5.

    

Helmut sorgt für einen gewaltigen Schub in Richtung auf Modernisierung. Er hat immer voller Stiolz erzählt, dass er den ersten Rübenroder (Marke "STOLL") im damaligen Landkreis Harburg gekauft hatte. Und 1962 kommt ein Mähdrescher "Claas" mit Absackvorrichtung. Kartoffeln werden bis 1969 mit dem "VR2" gerodet - der nimmt die Kartoffeln samt Kraut auf und wirft sie hinten ab. Sie müssen dann von Hand (im Akkord, es wird also pro Kiepe bezahlt, das wird mit Namensmarken gekennzeichnet) aufgesammelt werden, in Kiepen geschüttet, auf den Wagen geladen und zum Hof gefahren werden.

Hier kommt nun eine Aufstellung der angeschafften Geräte bis 1959 - gleichsam eine Bilanz der Modernisierung nach 10 Jahren auf dem Hof. Ich weiß nicht, wer die Posten aufgeschrieben hat, vielleicht Heinrich Rieckmann? “De künn fein schrieben!” - Die Preisangaben jedenfalls hat Helmut selbst eingefügt.

Ganz oben steht natürlich der der Lanz Bulldog - was sonst?