Der Flur

... auch "de Dääl" (die Diele) oder "De Vörplatz" (der Vorplatz), immerhin 60 m2 groß, bildete den Eingangsbereich, denn man kam sogleich durch die Haustür in diesen gewaltigen Raum. Und er war sozusagen das Zentrum des Hauses.

  


Die blau-gelben, diagonal gelegten Fliesen hat wahrscheinlich Emma (Stuhtmann, geb. Wolter) legen lassen. Denn exakt die gleichen Fliesen, sehr solide und sozusagen "unkaputtbar" verlegt (damals gab es noch keinen Fliesenkleber, sondern sie wurden in Zement verlegt), finden sich im Flur der Ravener Schule (die heute als Jugendheim genutzt wird). Emma war Tochter des Küsters Wolter (der auch Organist, Kantor und Lehrer war) und hat am 5. November 1905 Gustav geheiratet, sozusagen den Eichhof hinauf.

Die blaue, mit gläsernen Stäben verzierte Lampe, die an den Wiener Jugendstil des frühen 20. Jahrhunderts erinnert, zeugt von Emmas erlesenem Geschmack.

Übrigens war dieser Flur der Ort, an dem die Stuhtmanns, Gustavs Geschwister zusammenkamen, um Kaffee zu trinken und Zungenragout zu essen - "Stuhtmann scheiten" / "Stuhtmannschießen" nannte Helmut das, weil es zuging wie auf dem Schützenfest.

Bis 1949 wurde auf dem Flur auch gesponnen, 12 Spinnräder, von denen Helmut einige weggegeben hat, waren auf dem Dachboden.

Und war jemand aus der Familie gestorben, so wurde der Leichnam im Flur aufgebahrt:
Johann Friedrich Stuhtmann, Gustavs Vater 1909, Käte Stuhtmann 1924, Gustav 1956, Emma 1964, Ursula 1995, Helmut 2003.

Übrigens stammt die Uhr, die man im Hintergrund sieht, aus Amelinghausen vom heutigen "Glockenhof". Der erste Stuhtmann hat sie 1796 mitgebracht. Ursel und Helmut haben in ihrem Testament verfügt, dass sie auf dem Hof verbleiben muss. Dass jemand mal das Haus abreißen würde, hatte sich ja niemand vorstellen können.