1877 hat Julius Wolter sen., Küster, Kantor und Organist sowie Lehrer in Raven eine Chronik der Ravener Schule angelegt. Was sich in der Schule zugetragen hat, welche Baumaßnahmen vorgenommen wurden, welche Anschaffungen getätigt wurden, was bei den vielen "Visitationen" geschehen ist, welche Epidemien das Dorf getroffen haben, all das und viel mehr schreiben er und seine Nachfolger Lüthge, Ehlert, Schmidt, Brauß und Methling genauestens auf. Sie kümmern sich auch um die Kirche und das Dorf.

Die Chronik liegt in digitaler Form vor - wer immer dieses umfangreiche Werk abgeschrieben hat - ganz herzlichen Dank für diese gewaltige Arbeit!

Unten folgen einige Abschnitte aus der Chronik, sortiert nach Schule - Lehrer - Schulkinder Schülerliste - Kirche - Dorf Raven.

SchuleLehrer

1877 hat Julius Wolter sen., Küster, Kantor und Organist sowie Lehrer in Raven eine Chronik der Ravener Schule angelegt. Was sich in der Schule zugetragen hat, welche Baumaßnahmen vorgenommen wurden, welche Anschaffungen getätigt wurden, was bei den vielen "Visitationen" geschehen ist, welche Epidemien das Dorf getroffen haben, all das und viel mehr schreiben er und seine Nachfolger Lüthge, Ehlert, Schmidt, Brauß und Methling genauestens auf. Sie kümmern sich auch um die Kirche und das Dorf.

Die Chronik liegt in digitaler Form vor - wer immer dieses umfangreiche Werk abgeschrieben hat - ganz herzlichen Dank für diese gewaltige Arbeit!

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Bau der Schule 1829-1831

Beim Bau des Schulhauses ist es zu Betrügereien und Diebstahl durch den ausführenden Handwerker gekommen. Wolter nennt sogar Namen:

Das Küster- und Schulgebäude, Erbauung und Reparatur, Beitragsfuß
Das hiesige Küster- und Schulhaus ist im Jahre 1829/1830/1831 durch den Zimmermeister Westermann in Raven erbaut worden. Es ist mit Fachwerk aufgeführt und mit weicher (Stroh) Dachung versehen.

Obgleich das Holz von der Gemeinde in guter Qualität und reicher Quantität geliefert wurde, so ist dem Hause wie mir von alten Leuten erzählt wurde nicht viel davon zugute gekommen. Dies lag teils an der mangelhaften Aufsicht, teils an der Unredlichkeit des Baumeisters. Letzterer schaffte das schönste Eichenholz bei Nacht und Nebel beiseite, und verwandte schwaches Fichten- und Kiefernholz. Auch den Kalk, der von der königlichen Kalkbrennerei zu Lüneburg zum Prälatenpreise abgelassen war, verbrauchte er an seinem eigenen Hause zu Hukenrieth bei Soltau und legte dafür die Steine am Küsterhause in Lehm.
Auch die Einrichtung läßt viel zu wünschen übrig. Ein großer Übelstand besteht zum Beispiel darin, daß die Küche mitten im Hause liegt und daher dunkel ist. Zu loben ist das große, schöne Wohnzimmer mit der großen Schlafkammer daran, und die geräumige Schulstube. Letztere liegt freilich nach Norden und Osten, ist aber trotzdem im Winter nicht zu kalt und deswegen im Sommer nicht zu heiß.

Die Kosten des Baues trug die ganze Kirchengemeinde Raven und zwar so, daß die Schulgemeinde Raven ein siebentel der ganzen Kosten vorab bezahlte und das übrige nach den bestehenden kirchlichen Beitragsfuße über die ganze Parachie (Parochie: Kirchengemeindebezirk) verteilt wurde.

Eben dieser Beitragsfuß ist auch bei der 1872 erfolgten Erbauung einer zweiten Stube mit Kammer an der Südseite des Hauses und Erneuerung der Bodentreppe in Anwendung gekommen. Bei diesem letzten Bau mußte auch ein zweiter Schornstein ausgeführt werden. Baumeister war der Zimmermeister Ahlers in Egestorf. Im Jahre 1874 wurde die Lehmdiele erneuert, und 1875 die Fenster in der Wohn- und Schulstube. Die Holzarbeit und Malerei an letzteren besorgte der Tischler Staake in Raven. Die Glaserarbeit der Glasermeister Grote aus Lüneburg.

Das jetzige Küsterhaus steht nicht genau auf dem Platze des alten. Ebenso ist seine Richtung auch eine andere. Das alte Haus stand etwas weiter südlich dem Brunnen zu an der Straße entlang von Süden nach Norden, das große Einfahrtstor nach Süden gerichtet und war ein Kreuzhaus, das heißt die Schule und Wohnstube waren quer vor das übrige gebaut. Nebengebäude hatte der Küster bis in den sechsziger Jahren nur ein altes Backhaus; als letzteres bei einem im Jahre 1867 stattgehabten Wolkenbruchs forttrieb, wurde das jetzige Backhaus erbaut, und als Raum für Holz, Torf, Heide und Bülte das jetzige hölzerne Schauer. Dieses steht über die Hälfte auf Stuhtmannschen Boden; als Ersatz für diese Grundabtretung ist dem Vollhöfner Stuhtmann vom Kirchenvorstande eine Abrundung der Ecke vom Küsterlande auf dem Sonderberge zugebilligt, da wo Stuhtmann früher seinen Schafstall stehen hatte. (S. 60f.)

Weiter wird bis ins Detail (Haustür, Schlösser, Gartenpforte, Regenrinne, Ofen, Herd usw.) jede einzelne noch so kleine Anschafffung aufgeführt. Wolter mag ein Pedant gewesen sein, aber er war eben auch der Gemeinde gegenüber rechenschaftspflichtig.

Die Schule brennt ab (25. Mai 1916)

Der Brand des Schul- und Küsterhauses am 25. Mai 1916

In der Nacht vom 25. zum 26. Mai 1916 brannte das Schul- und Küsterhaus bis auf die unteren Räume des Anbaues total nieder. Daß letztere, zu dem auch das Klassenzimmer gehört, erhalten geblieben sind, verdankt die Gemeinde dem schnellen Eingreifen der Putenser Feuerwehr. Bei der wurde zuerst der Fehler gemacht, daß die Spritze das Wasser aus dem benachbarten Schulbrunnen nahm, der in wenigen Minuten leer war. Darauf mußte der Spritzenschlauch nach dem Dorfteiche neben dem Pfarrhause verlegt werden. In Folge der dadurch entstehenden Verzögerung konnte nicht verhindert werden, daß auch die Zimmerdecken der erhalten geblieben Räume teilweise durchbrannten so daß sie beim Neubau doch vollständig erneuert werden müssen. Die Mobilarien des Lehrers wurden fast alle gerettet. Es verbrannten unter anderem ein großer Kleiderschrank und fast sämtliche geräucherten Fleisch- und Wurstwaren. Das war ein harter Verlust in dieser Zeit der Nahrungsmittelknappheit inmitten des großen Weltkrieges. Schnelle und gute Hülfe leisteten auch die hier im Orte befindlichen 14 Kriegsgefangenen Russen, die Schulutensilien haben vom Feuer nicht gelitten, sind aber durch das eilige Hinausschaffen meistens durch die Fenster, teilweise beschädigt. Etwa gegen 12 Uhr nachts zog ein schweres Gewitter herauf. Nun mußten nach Möglichkeit alle geretteten Sachen zum anderen Mal schnell in Sicherheit gebracht werden. Vieles wanderte in die Nachbarhäuser, das meiste in die Kirche.
...
Auch die Eyendorfer Feuerwehr hatte sich eingestellt, doch konnte ihre Spritze wegen Wassermangels nicht in Tätigkeit treten. Die Mannschaften derselben hatten genug zu tun, das vom Flugfeuer bedrohte Stuhtmannsche Gehöft zu schützen. Das Feuer wurde etwa 10 Uhr 20 Min. abends (Sommerzeit MEZ + 1 Stunde) bemerkt. Wir waren zum Glück noch nicht zur Ruhe gegangen. Daher konnte schnell Feuerlärm gegeben werden. Über die Entstehungsursache des Brandes konnte nichts bestimmtes ermittelt werden.

Der Neubau 1916 bis 1919

Der Wiederaufbau des Schulhausess 1916-19

Nach dem Brande fand ich mit meiner Familie Aufnahme im Pfarrwitwenhause, das nur von der Witwe meines Vorgängers und einer Hamburger ... Lehrerin bewohnt war. Entbehrliche Möbel wurden anderweitig im Dorfe untergebracht. Das Zusammenleben war auf die Dauer nicht angenehm, da ich halb und halb als Eindringling betrachtet wurde. ... Der Wiederaufbau verzögerte sich, da die Teuerung aller Baumaterialien einzusetzen begann und die Arbeitskräfte, Handwerker, in Folge des Krieges fast nicht mehr zu haben waren.
Zwar wurde im Herbst 1916 der Plan für den neuen Bau von dem Architekten Matthies Bardowiek fertiggestellt und von der Behörde genehmigt und Mauersteine und Ziegeln zum Bau angefahren, aber der Anfang wurde nicht gemacht, man wollte das Ende des Krieges und bessere Zeiten abwarten. Ich hatte ja meine Wohnung und die Schulstube war wieder zur Benutzung fertig gestellt. Bald nach dem Brande waren nämlich die stehengebliebenen Anbauräume, deren Decken vom Feuer nur wenig beschädigt waren, mit einem Notdache versehen worden und dadurch zur Benutzung wieder brauchbar. So konnte ich den Unterricht in der altgewohnten Stätte fortsetzen.  ...
Ostern 1918 zog ich mit meiner Familie, Frau und 4 Kinder, in die erhalten gebliebenen Räume des Schulhauses, Schulstube, eine Wohnstube mit Kammer und große Kellerräume. Das Klassenzimmer mußten wir als Schlafzimmer mitbenutzen. In Folge dessen mußte ich den Unterricht von jetzt an in die Rolfser Schule verlegen, dessen Kinder ich schon seit Sommer 1915 gastweise in die hiesige Schule aufgenommen hatte, da ihr Lehrer im Krieg war. Der Keller wurde zur Küche eingerichtet, der Eingang zur Wohnstube war notdürftig durch eine Bretterwand gegen Wind und Wetter geschützt. Das Notdach war inzwischen undicht geworden und so haben wir´s öfter erlebt, daß bei Unwetter uns das Wasser durch die Decke tropfte oder wie einmal sogar des nachts unter der Tür hindurch unter die Betten geflossen kam.
Anfang Juni 1918 wurde endlich mit dem Bau der Fundamente begonnen. Ein alter hier wohnhafter Maurergeselle, der unter dem Namen Ferdinand weit und breit bekannt war, nebst einigen kriegsgefangenen Russen als Handlanger waren die einzigen Arbeiter. Erst später kam noch ein Maurer aus Oedeme bei Lüneburg, der als Landsturmmann beurlaubt war, dazu.
Mitte August 1918 war die Maurerarbeit des neu erbauten Teils zum Richten vollendet, aber der Zimmermeister Mestmacher aus Salzhausen, der den Bau übernommen hatte, war mit seiner Arbeit längst noch nicht fertig. Er hatte am meisten unter der Leutenot zu leiden. Erst im November 18 konnte diese Hälfte des Hauses gerichtet und mit Ziegeln versehen werden. Nachdem wir dann noch wieder eine ordentliche Haustür bekommen hatten, setzte der Winter ein und die Bautätigkeit ruhte bis April 1919. Ende Juni 19 war der neue Teil des Hauses vollendet und wir konnten nach dort hinübersiedeln und bekommen endlich wieder angenehmere und sichere Wohnungsverhältnisse; Stube, Kammer, Küche, Diele, Waschküche und Viehställe. Unsere Schweine hatten wir noch in einem anderen Stalle auf dem Herdenberge untergebracht, die Hühner im Holzschuppen.
Jetzt ging es schnell vorwärts. An Arbeitskräften fehlte es nicht mehr, denn der Krieg war ja seit November 18 schon zuende. Der übrige Teil des Hauses (alter Anbau von 1910) konnte Anfang Juli 19 gerichtet werden.
Nach den Sommerferien konnte ich schon wieder das Schulzimmer zum Unterrichten benutzen. Ende Oktober 19 war alles vollendet. Am 30.10. verließ der Maler Rothe aus Eyendorf als letzter Handwerker das Haus und am anderen Morgen hatte der Winter mit reichlichem Schnee schon eingestellt. Ich dachte „mag er nur kommen, die Zeiten der Beschwerden und Nöte sind vorbei, du hast nun endlich wieder ein sicheres und schönes Haus! Möge es mir vergönnt sein, recht lange in Frieden darin wohnen zu können!“

(Lüthge)

Die Gesamtkosten des Baues betrugen 42.114,30 M.
Durch Brandversicherung wurden gedeckt 8.762,36 M., an Beihilfen von der Regierung wurden geleistet:
1. Überteuerungszuschuß = 11.854,05 M.
2. Widerrufliche Beihilfen für eine Schulstelle = 500 M.
Es blieben zu decken 42.114,30 M. - 21.116,41 M. = 20.997,89 M.

Hiervon zahlte die Regierung noch das Baudrittel 6.999,30 M., so daß nur die Summe von 13.998,59 M. übrig blieb. Dieselbe ist von der Schul- und Kirchengemeinde gemeinsam aufgebracht worden. Ein Siebtel die Schulgemeinde vorab.
Diese Zahlen sind einem Auskunftsschreiben der Regierung zu Lüneburg entnommen.

L. (also Lüthge)

(S. 66ff.)

Der sog. Gruoppenraum - Anbau 1958/59

Über den Neuabu des später so genannten "Gruppenraumes" schreibt Brauß:

1958  Im November konnte der langgeplante Schulneubau in Angriff genommen werden. Die Arbeiten begannen mit der Anfuhr von Baumaterialien. Die Ausschachtungsarbeiten folgten bald. Mitte Dezember waren die Mauern des Anbaus bereits hochgezogen. Der Dachstuhl zimmerten die Zimmerleute erst im Frühjahr, Ende Februar und Anfang März.

1959  Nach längerer Ruhezeit gingen die Bauarbeiten im Mai weiter. Auf meinen Hinweis hin wurde unter /71/ (1959) dem Schuleingangsvorplatz ein Geräteraum als Autogarage eingerichtet. Der ganze Vorplatzsockel war durch die Wurzeln einer alten Linde aufgebrochen und mit Rissen durchzogen. Daher war es unumgänglich, den Wurzelstock dieses alten Baumes, der 1954 abgeschlagen worden war, auszuheben und zu beseitigen. 3 Trecker waren nötig, den schweren Koloss fortzuschaffen.
Nach den Sommerferien konnten die Toilettenräume in Benutzung genommen werden. Die 3 Kammern – Klärgrube war bereits fertiggestellt und die Abflußrohre gelegt. Auch die Glaswand, die den alten Schulraum von dem neuen Gruppenraum trennt, war bereits eingebaut. Jedoch mußten die Verschönerungsarbeiten eingestellt werden, da der Unterricht dadurch gestört wurde. Für die neu einzubauende Heizungsanlage wurde ein 5000 Liter-Behälter für Ölfeuerung in die Erde eingelassen. (Siehe umseitiges Bild!)

Nach den Herbstferien konnte die Schule ganz dem Unterricht übergeben werden. Die Ölheizung nahmen wir in Betrieb, stellten sie jedoch für mehrere Wochen ab, da die Witterung so mild war, daß die Feuerung gespart werden konnte.

(S. 70ff.)

 

Vor dem Eingang der Schule stand eine Linde. Diese hatte sich von dem Feuer 1916, als die Schzuloe abbrannte, nicht wieder erholt und musste 1954 gefällt werden.  Ehlert schreibt dazu: "1954 Die über hundert Jahre alte Linde vor dem Eingang zur Schule mußte abgenommen werden, weil ein Teil der Krone trocken geworden war u. die herabfallenden Äste eine Gefahr für die Kinder bildeten. Der Baum hatte bei dem Schulhausbrande im Jahre 1916 stark gelitten und sich nicht mehr recht erholt. Nun macht die Rückseite des Schulgebäudes einen weniger schönen Eindruck." (S. 70)

Drei Trecker waren nötig, den mächtigen Wurzelstock wegzuschaffen.

Der Öltank wird eingesetzt.