Karl Methling kam 1960 nach Raven. Er sollte die Schule wieder “auf Vordermann bringen”, und das tat er auch. “Lehrer Methling geht nach Raven”, stand im Winsener Anzeiger, als er zu Ostern 1960 von Radbruch bei Winsen wegging.
Zwar war er schon 58, als er kam, aber er konnte sich durchsetzen, und er sprach Plattdeutsch.

Karl stammte aus Mecklenburg; er war 1902 in Hinrichshagen bei Rostock geboren worden. Sein Vater war Holzarbeiter gewesen. Mit 22 wurde er schon Lehrer auf einem Rittergut. Da ware er einmal zum Essen eingeladen, Silbergeschirr, livrierte Diener, alles vom Besten. Der Herr Baron sagte zu ihm: “Methling, die Kinder lernen zuviel bei Ihnen.” Karl: “Wie kann man denn zuviel lernen?” “Methling, die kommen noch auf dumme Gedanken und gehen in die Stadt und wollen Geld verdienen.”

Karl hat dann dort aufgehört. “Der Herr Baron” ist ihm immer ein Schimpfwort gewesen, die feinen Herrschaften, die sich nicht die Finger schmutzig machen wollten, die “hatte er gefressen”. Er verachtete sie.
Karl unterrichtete in Raven bis 1970, dann noch bis 1976 - da war er 74! - in Salzhausen. Ich selber habe ihn nur in der 4. Klasse gehabt. Ganze Jahrgänge von Ravenern haben gelernt, mit gebügelten und akkurat gefalteten Stofftaschentüchern in die Schule zu kommen.

Er wurde mir zu einem väterlichen Freund - o doch, das gibt es sehr wohl. Während des Studiums und auch als Lehrer habe ich ihn immer besucht, und wir haben uns sehr angeregt ausgetauscht.
Und dann hieß es: “So, nu wollen wir mal’n bisschen die Karten durchblättän.” Skat und “Dobblkopf” - man kann das Mecklenburgische “l” nicht korrekt lautmalend schreiben - liebte er über alles. Fast jeden Abend haben wir in den 60er Jahren unten in der Schule oder bei uns auf dem Hof, in der Eßstube oder in der Veranda, gespielt. Und im Winter durfte Karl auf keinem Preisskat fehlen.
Und wenn sein Freund Heinrich Parmann  aus Bassum kam, dann haben er und Elsi und Karl und Charlotta die ganzen Ostertage über gespielt - ungelogen, von Gründonnerstag abend bis Osterdienstag. Das Wohnzimmer war so voller Zigarrenqualm, dass man kaum aus dem Fenster gucken konnte.

1997 ist er im hohen Alter von 94 Jahren verstorben. Sein Grab ist auf dem Ravener Friedhof.