Über das Wetter

Die Schulchronik verzeichnet einige außergewöhnliche Wettererscheinungen, Zeiten von Dürre, großer Hitze, nasse Jahre, Kälteeinbrüche und Schnee. Die sind hier aufgeführt. Bitte beachten: das sind zufällige Notizen, die keine Aussagen zulassen über Klimaveränderungen. Die kann man nur auf der Grundlage systematischer Aufzeichnungen über längere Zeiträume treffen. "Wetter" ist heute oder gerade eben,"Klima" bezeichnet einen länger anhaltenden Trend.

 

1878, 1883, 1884
In Folge des milden Winters von 78, 83, 84 war die Vegetation so weit fortgeschritten, daß am 1. April 1884 die Birnenbäume vor dem Blühen standen und ich den Ziegen an diesem Tage schon eine Hand voll Kälberkropf aus meinem Garten bieten konnte.

1886/87
Durch die im Nachsommer 1886 herrschende Dürre war der Wassermangel in Raven eine sehr große geworden. Besonders der zum Küster und Schulhofe gehörende Brunnen verfügte schon im Juni und bis heute d. 6. Januar 1887 hat derselbe noch kein Wasser wieder erhalten.
Am 14. und 15. Oktober 87 hat es hier geschneit. Am 24. u. 25. desselben, am 26. Oktober morgens 6 Grad Kälte.

1889
Das Jahr 1889 war hier ein Maikäferflugjahr. Von Ostern her folgte warme Witterung. Nach 23.5. sind alle Brunnen voll Wasser und es läuft noch ein kleiner Bach aus Stuhtmanns Wiese durch meinen Garten. Die Ernte kommt früh. Am Johannistage 1889 wurde einigen Ortschaften wie Heiligenthal, Oldendorf usw. mit dem Mähen des Roggens begonnen. Jetzt 29.6.89 große Dürre, seit 15. Mai kein Regen. Die Brunnen wurden leer. Am 15. Mai 89 schlug der Blitz in die große Eiche bei Dittmers und Schlumbohms Hause. Sie blieb äußerlich unversehrt. An demselben Tage traf der Blitz das Wohnhaus des Höfners Stegen in Schwindebeck ohne zu zünden. Den 21. Juli 89 traf ein Blitz eine Kornstiege auf Stuhtmanns Felde, oben bei seinem Schafstalle, welche niederbrannte. Im vorigen Sommer schlug es auf Wölpers Hof in einen Fliederbusch und wurde derselbe zersplittert.

1890/91
In der Nacht vom 25. auf 26. November 1890 sorgte bedeutender Schneefall, wo nach dem vorher milde feuchte Witterung. Dieser Winter hat fast ununterbrochen angehalten, gestern, ... 5. April 1891 war vor den Kirchtüren noch Eis. Heute bedeckte Luft mit etwas Regen.

1893
Am Sonntag den 9. Juli 1893 abends, entdeckte der Schuster Heinrich Köhnemann von hier neben Ende des Küstergartens auf dem Wege eine Stelle, an der trotz der vom März her andauernden Dürre Gras üppig wuchs und der Klee blühte, während überall und unterhalb derselben alles durch den Sommerbrand vertrocknet war.

1894/95
Im Herbst des Jahres 1894 verlief was die Witterung betrifft sehr günstig, so daß bis Weihnachten die Erde frei von Schnee war. Am 26. Dezember fiel der erste Schnee und von dem Tage an bis heute 6. März ist die Erde mit hohem Schnee bedeckt. Besonders litt das Wild Not, Hasen und Rebhühner kamen ins Dorf in die Gärten auf die Höfe, um bei der strengen Kälte bis minus 16 Grad sich Nahrung zu suchen. In Ermangelung anderen Futters haben die Hasen in der letzten Woche fast alle jungen Apfelbäume durch Abnagen der Rinde zunichte gemacht.

1895
Am 10. März Tauwetter. Vom 12. bis 16. März Frost und vom 17. März an Tauwetter.

1896
Die Witterung des Sommers und Herbstes 1896 war sehr reich an Regen, im Herbste verging fast kein Tag ohne denselben. Die Erntearbeiten wurden dadurch sehr verzögert, so daß im Michaelis (29. September) noch Hafer auf dem Felde stand. Erst in den letzten Tagen des Oktobers wurden die letzten Kartoffeln ausgenommen.

1897/98
Der außergewöhnliche milde Winter 1897/98 (im Januar blühten Schneeglöckchen, im Februar blühten Veilchen) begünstigte die Arbeiten im hohen Grade.

1899/1900
Seit mehreren Jahren, etwa seit 1888, hatten die Ravener Bauern reichlich Wasser. Wegen der im letzten Sommer (1899) herrschenden Dürre wurde der Wasserstand in unseren Teichen und Brunnen erheblich niedriger, der Brunnen im Dorfe (Stegensood) hatte schon im August fast kein Wasser mehr. Auch das Herbstwetter neigt mehr zu Trockenheit als zum Regen. In den ersten Tagen des November 1899 war es sommerlich warm, heute am 6. November 1899 hatten wir in der Sonne 21°R. Die größte Kälte dieses Winters Ende Dez. und anfangs Januar 00.

1902/03
Der Winter von 1902 bis 1903 war durchweg außergewöhnlich milde. Freilich stellte sich schon anfangs Oktober scharfer Frost ein, so daß viele Kartoffeln, die noch in der Erde waren, verfroren. Auch die Kartoffelmieten mußten, als gelinderes Wetter eintrat, durchsucht werden, wobei sich herausstellte, daß viele zur Hälfte frostgeschädigt worden waren. Der März 1903 war sehr warm, so daß schon viele Frühlingsblumen ihre Blüten öffneten. Der April war widerlich kalt, doch der Mai setzte mit warmem Frühlingswetter ein.

1904
1904 blühten die ersten Schneeglöckchen schon im Januar.

1909
Da jedoch die Vorarbeiten zum Bau nicht rechtzeitig erledigt werden konnten, so begann derselbe erst im Spätherbste des Jahres 1909. Das milde Wetter ließ es zu, daß die Maurer den ganzen Winter arbeiten konnten.

1919
Ende Oktober 19 war alles vollendet. Am 30.10. verließ der Maler Rothe aus Eyendorf als letzter Handwerker das Haus und am anderen Morgen hatte der Winter mit reichlichem Schnee schon eingestellt. Ich dachte „mag er nur kommen, die Zeiten der Beschwerden und Nöte sind vorbei, du hast nun endlich wieder ein sicheres und schönes Haus! Möge es mir vergönnt sein, recht lange in Frieden darin wohnen zu können!“


1947
Die Bohrung war gerade zur rechten Zeit fertig., denn die außergewöhnliche Trockenheit dieses Sommers – es fiel monatelang kein Tropfen regen – hätte sich in Raven katastrophal ausgewirkt.

1952
Der Sommer war sehr regenreich, u. wir haben wohl den einzigen Sommertag erwischt, an dem die Sonne von morgens bis abends klar u. heiß vom Himmel schien. (aus Ehlerts Bericht über einen Schulausflug)

1955
Am 25. Juli ging über Raven ein ungewöhnlich starker Hagelschlag nieder. Die mit großer Wucht niederfallenden Eisstücke (Schloßen) hatten einen Durchmesser bis zu drei Zentimetern und richteten in den Kornfeldern u. Gärten beträchtlichen Schaden an. Die ältesten Bewohner des Dorfes erinnern sich nicht an einen ähnlich starken Hagelschlag.