Seit 1960 mussten in der Ravener Kirche drei Mal umfangreichere Baumaßnahmen vorgenommen werden, 1960, 1964 und 1987.

Luise Wölper aus Raven hat eine reichhaltige Sammlung von Ausschnitten aus dem "Winsener Anzeiger" (WA) und der Lüneburger "Landeszeitung" (LZ) zu diesem Thema hinterlassen, die mir zur Verfügung gestellt wurden - an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank.
Aus diesen Dokumenten soll hier zitiert werden:

Die erste Erwähnung der Ravener Kirche liegt bereits für das Jahr 1217 vor. Bemerkenswert ist auch, daß die beiden Bronzeglocken im Turm von St. Martin die Jahrhunderte überlebt haben. Die eine stammt aus dem Jahre 1309, die andere aus dem Jahre 1697; beide Glocken wurden von Lüneburger Meistern gegossen. Sehenswert sind der Altar und die Kanzel, beide reich und kostbar in ihrem Schnitzwerk. Von der Kanzel weiß man, daß sie im 17. Jahrhundert aus einer abgebrochenen Lüneburger Kirche nach Raven kam. (LZ, Weihnachten 1979)

 

1.
1960/61

Über die im Juni 1960 begonnenen Bauarbeiten schreibt der WA im Sommer 1961 unter der Überschrift "Ravener frühgotische Kirche erhält neues Gewand ":

"... Das Gemäuer wies große Risse auf und mußte völlig überholt werden. Zunächst säuberte man das Gewölbe; alte Pfannen und Mörtelschutt aus vergangenen Jahrhunderten wurden entfernt. Dem Gewölbe legten die Arbeiter dann ein dünnmaschiges Stahlgeflecht auf, auf das wiederum eine besondere Zementschicht aufgespritzt wurde. Diese Maßnahme soll dem Gemäuer wieder für lange Zeit Halt und Festigkeit geben.
Voller Ueberraschungen (sic) war die nächste Etappe: Zunächst stellten die Arbeiter, als die Fundamente ausgegraben werden sollten, fest, daß die Außenpfeiler gar keine Fundamente hatten. Findlinge, auf denen Pfeiler und Mauerwerk ruhten, waren einfach in Mergelton eingelassen. Außerdem entdeckten die Männer vom Bau am und im Mauerwerk Grabüberreste; Zeichen dafür, daß das Mauerwerk im Laufe der Zeit seitwärts nach innen gedrückt worden war, wobei Erdreich samt den an der Mauer gelagerten Gräbern nachgerutscht war.
Im weiteren Verlauf der Arbeiten wurden die Pfeiler aufgeschlitzt und ihnen nach einer völlig neuen Festigungsmethode Betonkerne eingespritzt. Im Turm, der besonders baufällig war, zog man Betonbalken ein, .sicherte sie mit Stahlankern ab. Die Nordseite des Turmes mußte fast völlig einen halben Meter über dem Eingang beginnend bis zum Helm neu hochgezogen werden.
Schon im 17. Jahrhundert waren einmal Bausicherungsmaßnahmen erfolgt. Die damals eingezogenen Holzbalken wurden jetzt entfernt. Sie waren im Mauerwerk völlig morsch geworden; eine Folge der Feuchtigkeit, der man jetzt. auch den Kampf angesagt hat. Das Dach wurde repariert, eine Regenrinne angebracht, und die Kirche bekommt eine Heizung."
Außerdem erhalten die Fenster "handgeblasene Antikverglasung mit leicht grünlichem Ton in Bleifassung". (WA, 19./20.08.1961)

Und: "... die Empore setzte man ein ganzes Stück zurück, und von der völlig durch Holzwürmer zerfressenen Orgel konnten nur noch die Pfeifen zu einem Metallwert von 400 Mark verkauft werden." (WA, 26.06.1964)

 

Die Altarfiguren wurden um 1430 von Hans Snitker aus Lüneburg gefertigt. Auch diese mussten restauriert werden.
Über den Abschluss der Restaurierung des Altars berichtet der WA in seiner Wochenendausgabe zum 3. Advent am 9./10. Dezember 1961:

Nach einer kurzen Beschreibung der Figuren heißt es:
"Während bei den erstaunlich gut erhaltenen Plastiken die Arbeit des Restaurators vor allem darin bestand, die in späterer Zeit hinzugefügte graue Bemalung zu entfernen, mußte das Ranken- und Zierwerk, das die Gruppe umschließt, nach alten Mustern völlig neu geschnitzt werden. Von der ursprünglichen Schnitzerei war nichts mehr erhalten, stattdessen trug der Schrein ein später aufgemaltes Malwerk ... Vor die einzelnen Figuren werden schlanke Säulen gesetzt, so daß jede streng in einem Joch steht. Dadurch wird der Gesamteindruck der Gruppen vertieft. Leider sind die ursprünglichen Seitenflügel des Altars, die ebenfalls mit Apostelfiguren geschmückt waren, nicht erhalten. Auch die wertvollen Figuren sind verschollen. Man erzählt sich nur noch in Raven, daß einst die Kinder mit ihnen spielten, nachdem die Flügel entfernt worden waren, um dem gotischen Altar nachträglich einen Renaissance-Charakter zu verleihen."

 

Am 3. Advent kann die Kirche wieder eingeweiht werden. Darüber berichten WA und LZ in gleichlautenden Artikeln am 18. Dezember 1961 unter der Überschrift "Festlicher Gottesdienst zur Wiedereinweihung"

" ... Das Gotteshaus war zu diesem festlichen Anlaß bis auf den letzten Platz besetzt, und vor der Kirche erregte ein Wagenpark Aufsehen, wie man ihn in der kleinen Gemeinde nur selten findet. ... Was Handwerker und Künstler in gemeinsamem Mühen geschaffen haben, fand gestern die uneingeschränkte Anerkennung aller Besucher.
Landessuperintendent Dornblüth, Superintendent Grote und Pastor Dahnke waren als Gäste In die Gemeinde gekommen. Unter dem Geläut der Glocken zogen der Kirchenvorstand und die Geistlichen in das Gotteshaus ein, das unter Mitwirkung. des Kirchenchors Amelinghausen in würdiger Weise wieder seiner Bestimmung übergeben wurde.
Nach dem Gottesdienst trafen sich die Geistlichen, die Handwerker, die Bürgermeister und Lehrer der beteiligten Gemeinden mit ihrem Gastgeber Pastor Helmke zu einer gemeinsamen Mittagstafel." (gleichlautend LZ und WA, 18.12.1961)

 

 

2.
1964ff.

1964 traten größere Schäden an den Wändern auf: "Salze fraßen den Putz von der Wand. Erst vor drei Jahren renoviert", schreibt der WA im Juni 1964:

"Anderthalb Jahre später machten sich an den Innenwänden des Gebäudes unangenehme Schäden bemerkbar. Große Blasen bildeten sich unter dem Verputz und wenn jemand dagegenklopfte, ‘rieselte der Kalk'. Erst traten diese ‘Wandbeulen' nur vereinzelt auf, aber jetzt ist schon das ganze Mauerwerk von dieser Krankheit befallen.
Pastor Helmke meint dazu: ‘Als vor drei Jahren die Kirche so erneuert wurde, daß kein Wasser mehr von außen eindringen konnte, übersah man offensichtlich, daß die noch in dem alten Gemäuer haftende Feuchtigkeit ja nun auch nicht abziehen konnte. Wie schon in den vergangenen Jahren bildeten sich auf den aus mehreren Jahrhunderten stammenden Steine (sic) Salz; die sich fadenförmig unter dem aufgetragenen Putz verknoteten. Dieses einem Spinnengewebe ähnliche Netz entwickelte mit der Zeit solche Kraft, daß es die aufgetragene Schutzschicht einfach von den Steinen drückte. Bei der geringsten Berührung fallen einem ganze Scheiben Putz entgegen.' (WA, 26. Juni 1964)

Diese Schäden werden rasch beseitigt; zum Erntedankfest am 4. Oktober kann der Gottesdienst wieder in der Kirche abgehalten werden.

 

3.
1987

WA oder LZ berichten am 20. März 1987:

Die Ziegelmauern erweisen sich als feucht und müssen ersetzt werden. WA oder LZ berichten am 20. März 1987:

Der 1960/61 verwendete Beton und der Gips im Mauerwerk hatten chemisch reagiert. Dieser "chemische Prozess wiederum setzt Treibmineralien frei, die das Mauerwerk bersten lassen. Eindringende Feuchtigkeit beschleunigt diese Zersetzung."

"Die ‘morschen' Ziegelmauern des Kirchenschiffes werden vom Fundament an auf zwei Meter Höhe abgetragen und durch ein neues Mauerwerk ersetzt. Der Zustand des Kirchengemäuers duldet keinen Aufschub mehr. Zwar besteht noch keine Einsturzgefahr, aber das Mauerwerk arbeitet - ‘manchmal läßt sich die Tür des Turmes nicht mehr richtig schließen', sagt Pastor Bohlen. Dabei zeigt er auf einen fingerdicken Riß an der Innenseite des Türbogens. Dieser Riß ist nicht der einzige. Das ganze Ausmaß der Schäden wurde im vergangenen Jahr sichtbar, als der Sperrputz im Innern des Kirchenschiffes abgeschlagen werden mußte. Durch die Feuchtigkeit war der Putzauftrag immer unansehnlicher geworden ... Was unter dem Putz zum Vorschein kam, ließ Baufachleute und Kirchenbehörden erschrecken: Risse im Mauerwerk, Mauerverschiebungen. Diplom-Ingenieur Bernhard Brüggemann, dessen Braunschweiger Büro mit den Vorplanungen der Bauarbeiten beauftragt wurde, sieht in dem jetzigen Bauzustand der Kirche ‘die Folgen der Sanierung vor 20 Jahren'. Dabei macht er den damals Verantwortlichen keineswegs einen Vorwurf: ‘Die Sanierung geschah in einer Phase, in der man glaubte, einen gipsfesten Zement zu haben - es hat sich jedoch gezeigt, daß es ihn nicht gibt.' ...
Mit herkömmlichen Ziegelsteinen im ‘Klosterformat' sollen die morsch gewordenen Wände neu aufgemauert werden. Dabei legen alle Beteiligten größten Wert darauf, das neue Mauerwerk an das vorhandene anzugleichen ... (LZ oder WA, 20.03.1987)