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Geschrieben von Super User
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Bitte noch etwas Geduld; ich baue die Seite gerade neu auf, auch um sie etwas besser für die Bedienung übers Schlauphone zu machen.
Solange ich einzelne Artikel noch nicht eingearbeitet habe, steht dort dieser Artikel "Willkommen", gleichsam als Stellvertreter.

 Hinweis: Alle Bilder sind, soweit nicht anders gekennzeichent, privat.

Der alte Internetauftritt ist so lange hier - bitte klicken.

Logo

 

 

  Wappen Brammer  Wappen Stuhtmann

 

 Bild gemalt von Mark Bishop 1984


Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern*.
Über Sinn und Unsinn eines solchen Internetauftritts

Auf diesem Internetauftritt möchte ich einen Beitrag zur Familiengeschichte der Brammers und der Stuhtmanns liefern. 
Dabei muss man die beiden Höfe in Etzen und in Raven berücksichtigen. Jedoch dient diese Seite nicht betrieblichen Belangen, sondern ausschließlich der Geschichte unserer Familien. Ein besonderer Abschnitt ist den Soldaten gewidmet, denn mit Ausnahme meiner (Nachkriegs-)Generation haben alle den Wehrdienst geleistet und mussten auch in den Krieg ziehen.

Ferner habe ich eine Abteilung zur Dorfgeschichte Ravens eingefügt. 
Denn alles das gehört unseren Familien und auch dem Dorf.

Alles das ist in stetem Fluss, ich stoße auf neue Dokumente, ändere Abteilungen oder ergänze sie.

In einem besonderen Kapitel über meinen Vater Helmut sen. - den "Chef" - habe ich zusammengetragen, was er mir erzählt hat oder was ich in seinem Nachlass gefunden habe. Der Großteil der Materialien und Berichte bezieht sich auf die Zeit vor dem Jahre 2003, dem Jahre, in dem Helmut sen. ("der Chef") verstorben ist.
Deshalb können Veränderungen, die sich seither vollzogen haben, nur gestreift werden, auch dramatische wie die Zerstörung des Ravener Hauses, unseres Elternhauses, das Ende Februar/Anfang März 2016 abgerissen wurde, nachdem man es zweieinhalb Jahre und drei Winter hat leerstehen lassen.

Auch diesem Haus will ich ein Denkmal setzen.


 

 

 

 

 

Kurze Zeittafel

 

Etzen

  

Raven

    1231 - erste urkundliche Erwähnung des Meyerhofes zu Raven
1799 - Georg II. übereignet Land und Wald an Johann Heinrich Witthöft aus Dehnsen. Er erbaut das "alte" Haus.   1796 - Johann Friedrich Stuhtmann aus Amelinghausen kauft den Meyerhof
1883 - Heinrich Brammer baut in Etzen das erste aus massivem Stein gemauerte "neue" Haus im Kreis Lüneburg   1865 - Friedrich Stuhtmann baut in Raven das größte Bauernhaus im Kreis Harburg
1885 - Hermann wird geboren
1887 - Karl wird geboren
  1868 - Gustav Stuhtmann wird geboren,
1881 - Heinrich Stuhtmann wird geboren
1913 - Karl und Frieda heiraten   1905 - Gustav und Emma heiraten
1913 - Karl kauft einen Hof in Groß Süstedt      1906 - Käte Stuhrmann wird  geboren.


1914 - Karl wird Soldat  
1915 - Karl jun. ("Kalli") wird geboren;
1915 - Hermann gefallen; Karl und Familie gehen zurück nach Etzen
 
1916 - Karl jun.   1924 - Käte (17 J.)
1917 - Heinz wird geboren,
1919 - Helmut wird geboren
   
     
1946 - Heinz und Martha aus Brackel heiraten   1946 - Gustav adoptiert seine Nichte Ursula  aus Eyendorf
    1949 - Ursula und Helmut aus Etzen heiraten
    1956 - Gustav Stuhtmann
Größere Umbauten am Haus 
1979 - Karl   1962 - Schafstall brennt ab durch Brandstiftung; Neubau der Kartoffelscheune
1994 - Heinz   1988 - Hans wird Eigentümer des Hofes Brammer in Raven.
    2003 - Helmut
ab 2009 Renovierung des "alten" sowie des "neuen" Hauses    
    2016 Abriss des Hauses

* André Malraux

Geschrieben von Super User
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Der Lanz war Helmuts Lieblingsspielzeug. Er war die Maschine, die mit seinem Namen verwoben ist und die ihn und den Hof vielleicht groß gemacht hat. Als er nach Raven kam, hatte Gustav ja keinerlei Maschinen.
Und Helmut hatte zunächst kein Geld.
Schulden machen wollte er nicht. Sein Vater Karl hatte zu ihm gesagt, als er von Etzen nach Raven ging: “Du freist nu na Gussav Stuhtmann sien’n groten Hoff. Lat di dat nich to Kopp stiegen. Köp bloß, wot du betalen kannst. Denk dor immer an: Du kannst nich höger kladdern wie as de Boom Telkens hett!” / "Du heiratest nun auf den großen Hof von Gustav Stuhtmann. Lass Dir das nicht zu Kopfe steigen. Kaufe nur, was Du auch bezahlen kannst. Denke immer daran: Du kannst nicht höher klettern, als die Zweige des Baumes reichen.” 
Das war sehr weise, und Helmut hat das immer beherzigt.

Anfangs hat er sich den Lanz von Heinz aus Etzen ausgeliehen und hat Tag und Nacht damit gepflügt. Das fiel den Dorfsleuten zur Last, denn der Lanz macht einen gewaltigen Krach. 1952 war es soweit: Der erste Lanz, 25 PS stark, war gekauft. Helmut hatte zuerst überlegt, einen mit 35 PS zu kaufen. Aber man dachte damals: 35 PS brauchen wir nicht hier; viel zu große Maschine.

1961 hat er sich dann doch einen 45er gekauft; mit dem hat er noch bis 1975 gepflügt.

 

Klappe auf




... die Lötlampe..

Klappe auf ...


 
 

... die Lötlampe...

 

Der Glühkopf muss so aussehen

 

Klappe zu

 

Anwerfenmit dem Schwungrad

 

hei geiht!

 

Deckel drauf

 

Deckel festmachen

 

Blick nach vorn

 

zum Abgastest?

 

Die Zeitung war 1992 da:

Seit vier Jahrzehnten ist Helmut Brammers unverwüstlicher Trecker-Methusalem auf dem Acker im Einsatz

Starke Hände starten den Bulldog

ff Raven. Wenn Bauer Helmut Brammer in Raven seinen Lanz Bulldog vorwärtsstampfen läßt, dann trägt der Wind den Klang des stählernen Ballermanns bis ins zehn Kilometer entfernte Egestorf. Seit vier Jahrzehnten tut der Traktor seinen Dienst, auf Brammers Feldern und neuerdings bei Oldtimer-Treffen; kleinzukriegen ist der hämmernde Diesel, Jahrgang '52, nicht.

Mehr als zehn Liter Hubraum benötigten die Lanz-Konstrukteure aus Mannheim seinerzeit, um dem Motor 35 PS abzuringen. Der Kolben des Bulldog erinnert denn auch eher an einen klobigen Wascheimer. Rund dreieinhalb Tonnen bringt der Traktor auf die Waage, mehr als doppelt so viel wie eine zeitgenössische Zugmaschine.

Drei Ackergänge und drei Straßengänge sorgen für gemächlichen, aber unaufhaltsamen Vorwärtstrieb. Mehr als 18 Kilometer je Stunde sind nicht drin, abzuwürgen ist der stampfende Diesel kaum. Dafür kann ein geschickter Fahrer mit ein bißchen Glück in den Rückwärtsgang gelangen, ohne das Getriebe anzurühren - wenn er irrt richtigen Moment Gas gibt, sobald der Kolben den oberen Totpunkt erreicht hat. Dann preßt das explodierende Diesel/Luft-Gemisch den Kolben wieder nach unten, doch die Pleuelstange dreht die Kurbelwelle in die falsche Richtung.

Angeworfen wird der Bulldog in echter Oldie-Manier, per Hand. Zunächst gilt es, den Zylinderkopf mit einer Heizlampe vorzuglühen; das dauert fünf Minuten. Dann kommt der Moment, der den Hänfling vom gestandenen Bauern trennt: Mit kräftigem Griff wird die Schwungscheibe im Gegenuhrzeigersinn herumgerissen - der Saurier erwacht zum Leben.

Im Lehrlauf (sic!) lassen sich die Zündungen mitzählen, mehr als 540 Umdrehungen pro Minute werden es auch unter Vollgas nicht. Über dreißig Tonnen Last zieht der Bulldog über die Straße, so verspricht es jedenfalls das Handbuch.

Die Brammers wagten eine Wette: 35 gestandene Burschen - einer pro. Pferdestärke also - traten jüngst im Tauziehen gegen den Bulldog an. Auf dem Acker mahlten sich die dicken Reifen in den Untergrund, aber auf dem Asphalt war für den Lanz kein Halten mehr.

aus: Landeszeitung, Sonnabend/Sonntag, 13./14. Juni 1992 / Nr. 136

Geschrieben von Super User
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Walter "Rolli" Worseg

Walter-lichen-ihm-doch-gleich-schon-ihm

Den Vornamen von Walter "Rolli" Worseg kann man nicht in einem Wort schreiben. Er war eines der großen Originale der Dörfer auf der Hohen Geest. Und er war bekannt für seinen Durst. Sein Motto war: "Wird einer jung vom Tod getroffen, so heißt's, er hat sich totgesoffen. Stirbt aber einer von den Alten, dann sagt man, den hat das Schnaps erhalten." ("das Schnaps", weil er mit dem-die-das-der alles nicht so genau nahm.)

Rolli sah eigentlich immer jung aus, leider wurde er nicht ganz alt; 1994 starb er mit 57 Jahren. Er war mir immer ein guter Freund, das will ich ganz ehrlich sagen. Wir haben so manche Nacht im Kuhstall gesessen und gewartet, bis "das Kuh" kalbte, und da hat er mir viel von sich erzählt.

Er wurde 1937 im Kreis Lauenburg in Pommern geboren, am 27. Januar - "mit Kaiser Wilhelm ihm schon gleich!" - also war Rollis Geburtstag auch Kaisers Geburtstag, und da musste er erst recht einen nehmen. Als er eben 8 Jahre alt war, kamen die Russen (er hat nur angedeutet, was er da mit angesehen hat - "Das kannst Du nicht vertragen-ihm", vielleicht liegt hier der tiefere Grund für seinen Alkoholimus), und die Familie floh nach Mecklenburg. Mit 10 oder 11 Jahren nahm ihn sein Vater von der Schule, damit er mitarbeiten konnte. 1956 kam er in denWesten. In Eyendorf arbeitet er bei "Niesbur", 1962 fängt er bei "dasBoss" in Raven an, als dieser dringend einen Mann für den Hof sucht (er hatte kurz zuvor einem kündigen müssen, der den alten Schafstall angesteckt hatte und nun wegen Brandstiftung ins Gefängnis musste). Ein paar Monate später kam er von Eyendorf mit einem Hund nach Hause - Hasso war da, der "Karjotenkopp", sein "Krippel", der "Hundverfluchtije". Der Chef wollte, dass er den Hund wieder zurückbringt: "D-d-da mach' meine Papiere-ihm gleich mit fertichlich, Boss!" Und so blieb Hasso auf dem Hof.

Wenn er mit dem Bulldog zum Bahnhof nach Eyendorf musste, so kehrte er meistens bei "Maacken Mutter" (damals war eine Kneipe an der T-Kreuzung, an der es links nach Lübberstedt und rechts nach Salzhausen geht) an; das konnte dauern. Sein Lohn war manchmal drei Monate im Voraus verbraten, auf Vorschuss, "Chef-Chef, ham Se mal `n paar Mäuse ihm?" Und wenn er mittags zum Bäcker (für Nicht-Ravener: die Kneipe, die an der Kreuzung stand, da, wo gegenüber Schumacher/Hinrichs, Müller, Fedders nun ein freier Platz ist) ging, um "Zaretten" zu holen, so musste Ursel ihn fast immer per Telefon zum Essen rufen - meistens fiel er nach dem Essen erstmal auf sein Bett, und Hasso rollte sich daneben. Ursel sagte immer: "Laat em man, dor stickt nix Schlechts in em!" Tatsächlich, wer sein Freund war, der hatte einen herzlichen und herzensguten Freund, der für ihn alles getan hätte. Einmal - er hatte längst beim Chef gekündigt - kam er zum Chef und war ganz verzweifelt: "Chef-Chef, kannst Du mich Geld leihen, Willi E. hängt im Kasten, und ich will ihm Geld besorgen." Damals wohnte er in Soderstorf, und sein Vermieter war von einer Zwangsvollstreckung bedroht - als öffentliche Bekanntmachung "im Kasten" ausgehängt.

Große Momente mit ihm waren das Kartenspiel, Hans und ich spielten Skat mit ihm, erst um Pfennige aus einer alten Tabaksdose, die neu aufgeteilt wurden, wenn einer pleite war, später um richtiges Geld, erst um einen halben, dann um einen ganzen Pfennig. Oder wir spielten Doppelkopf, mit Karl Methling ("Schulmeisters Horn"), Herbert Witte ("Witten Horn"), Klaus Martin ("Martins Horn"), Witten Willi. Leider war Rolli nach einiger Zeit nicht mehr ganz konzentriert; entweder, weil er schon vorher beim Bäcker gewesen war, oder weil er zuviel Bier getrunken hatte, oder beides.

Seine ganz große Stunde schlug, wenn der Chef mit dem "Lumumba" (ein ausrangierter BGS-Jeep DKW-Munga 4, den er 1966 von Plaschka gekauft hatte) losfuhr, um Wild zu besehen. Dann konnte Walter alles geben. Er feuerte ihn an, schneller zu fahren: "Chef, Schrot! Gib Karrrbid!" Bei Schnee hatte er Mitleid mit den Tieren: "Wenn das Schnee hartgefroren ist, dann machen sie sich die Füße kaputt, die armen kleinen Rehlein, die Huunde verfluchtijen!" Bei einer dieser Touren, Witten Karl war auch mit, waren wir durch den "Spann" nach Lübberstedt gefahren, um mit Heinz Gellersen in seiner Wirtschaft Karten zu spielen. Walter bestellte sich Rumgrog, einfache, doppelte, dreifache, zum Schluss ohne Wasser. Auf dem Rückweg - es war klirrender Frost, gut und gerne 10 Grad unter Null, klare, kalte Frostluft, machte der Jeep schlapp. Wir schafften es gerade noch, ihn auf einen Hügel zu schieben, als er rückwärst rollen wollte. Ich ging mit Karl nach Hause, um dem Sattler Bescheid zu sagen. Der holte den IHC raus und schleppte den "Lumumba" ab. Walter war eingeschlafen. Unterwegs zog er sich im Schlaf Stiefel und Wollsocken aus. Zu Hause sprang er vor dem Herd auf und ab: "Kalt Fuß! Kalt Fuß!"

Walter-lichen-ihm-doch-gleich-schon-ihm, ich könnte noch viel erzählen. Tatsächlich, wenn Du Walters Freund warst, dann warst Du das ganz. Es war eine schöne Zeit. Ich habe ihn noch ein paar Mal besucht, und wir haben uns beide sehr gefreut, 1979 in Soderstorf und ein paar Mal in Oldendorf, zusammen mit dem Chef. Und einmal auf dem Friedhof.
Ruhe sanft.

Rolli, September 1989 - Aufhängen der Montagskönigsscheibe in Oldendorf. In dem gelben Regenmesser ist natürlich kein Wasser, sondern Korn, "Hardenberger" ;-)

 

Rolli holt Blattsilage.


Rolli und Helmut sen. (das Boss/Chef-Chef)


Walters Hund Hasso springt in den Teich und will einen Knüppel holen