Auf diesem Internetauftritt möchte ich einen Beitrag zur Familiengeschichte der Brammers und der Stuhtmanns leisten, auch zur Geschichte des Hofes Brammer, vormals Stuhtmann, vormals "De Meyger" und des Dorfes Raven. Wer sich Familieninterna und Betriebliches verspricht, wird enttäuscht werden. .

 

Bild gemalt von Mark Bishop 1984. Das Haus wurde 2016 abgerissen.

Hinweis: Alle Bilder auf diesem Internetauftritt: privat

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Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern*.


Über Sinn und Unsinn eines solchen Internetauftritts 

 

Conrad Cyriakus Völker war in  erster Ehe verheiratet mit Anna Catharina Elisabeth, geb. Petersen (*6. Febuar 1845  † 25. Februar 1885).
Aus dieser Ehe stammt deren Sohn Karl Konrad  Völker (*1876  † 1906), Oma Ellas Bruder.
Das Foto zeigt ihn als Soldat in Berlin ca. 1896-1898. 1906 starb er an Meningitis.

 

Als Soldat in Berlin ca. 1896-1898

 

Schulchronik – Krankheiten

Die Schulchronik berichtet von schlimmen Krankheiten, in deren Folge vor allem Kinder sterben mussten. Auf behördliche Anweisung wurde mehrfach die Schule geschlossen.

... Hier ist zugleich auch eines Vorteiles zu gedenken, welchen Raven an seiner hohen, freien, fast allen Winden ausgesetzten Lage hat. Es entstehen hier nemlich keine Epidemien und wenn sie durch Einschleppung, wie 1872 die Blattern, vorkommen, so beschränkt sich ihr Verlauf nicht auf den Herd ihres Ausbruchs. Das kalte Fieber (Wechselfieber) ist fast ganz unbekannt. Dagegen treten Erkältungskrankheiten (besonders Disteritis / Diphterie / und Croug -? -) gewöhnlich mit Heftigkeit auf und fordern oft ihre Opfer. Auch hier besteht zwischen Raven und dem nahegelegenen Rolfsen Übereinstimmung.

Im Januar, Februar und März 1887 entstand hier in Raven eine Diphteritisepidemie, die viel Opfer forderte. Sie brach zunächst bei dem Viehhändler Wilh. Wölper aus. Dessen zweijähriger Sohn Otto ward am 18. Januar begraben. Die Schwester desselben danach. Am 4. Februar brach die Krankheit bei Köthner Aug. Wölper aus, dessen sechsjäh. Sohn Heinrich am 7. Februar starb. Am 11. starb der Sohn des Häuslings Diersen Wilhelm (6 Jahre alt). Am 14. starb an dieser Kht. (Krankheit) verloren u. nun starben ihre letzten noch übrigen Kinder. Am 28. starb das einjährige Kind des Häuslings H. Schlumbohm, auch in Rolfsen kamen mehrere Krankheitsfälle u. ein Todesfall vor. Die jetzige Schule wurde geschlossen. Am 11. März kündigte der Dr. Grusch wieder einen Diphteriefall bei Köthner Schlumbohm an, der am 15. März mit dem Tode des Sohnes desselben Otto endete.

 

Wegen Ausbruch einer Diphteritisepidemie wurde die Schule am 14. Februar 1887 geschlossen und am 8. März 1887, nachdem sie drei Wochen und einen Tag geschlossen gewesen, wieder geöffnet (vergl. Seite 7).

 Im Monate Dezember 89 herrschte unter den Kindern hier in Raven der Stickhusten, welcher einige Kinder vier bis acht Wochen vom Schulbesuche abhielt, da sich bei diesen auch noch Lungenentzündung dazu gesellte. Es starben zwei Kinder, der einjährige Sohn des Häuslings Wilh. Wölper und die dreivierteljährige Tochter des Köthners G. Schlumbohm, die neunjährige Tochter des letzteren ist seit Weihnachten noch nicht wieder zur Schule gewesen. Die In... (gemeint wohl Influenza. also Grippe) ist auch an Raven nicht vorübergegangen, ohne die meisten Einwohner zu befallen. Gänzlich verschont davon blieben des Bewohner des Pfarrers, Küsters und Armenhausen. Die übrigen Erkrankten genesen meistens in einigen Tagen.

 

Ende Januar 1902 brach hier unter den Kindern eine Rötelepidemie aus, von der in drei Tagen 21 Kinder der Schule von 24 erkrankten. Am 1. Februar wurde die Schule auf Anordnung des königlichen Landratsamtes Winsen an der Luhe geschlossen. Am 24. Februar begann der Unterricht wieder. Es fehlten von diesem Tage nur noch 2 Schüler.

 

1947:
Im Spätsommer d. Js. mußte die Schule infolge Auftretens der Kinderlähmung für 6 Wochen geschlossen werden. Die erkrankten Kinder waren sämtl. aus Rolfsen, der Verlauf der Erkrankungen war normal – es handelte sich nur um sogen. leichte Fälle – und es hat kein Kind eine dauernde Schädigung davongetragen. (Ehlert.)

 

 

 

Reval und Narwa - fast bricht ihm  sein Glück das Genick

Man merkt an dem intensiveren Beschuss aus der Stadt, der ab 14. Januar 1944 einsetzt, dass die Truppen der Roten Armee den Ausbruch vorbereiten, und jeder kann sich ausrechnen, dass die Einheiten der Wehrmacht bald zurückgedrängt werden und die Stadt nach 900 Tagen der härtesten Belagerung ("Blockade") der Geschichte befreit wird. Am 15. Januar  erhält Uffz. Helmut Brammer den Marschbefehl nach Reval (heute Tallinn). Dort soll er an einem Gas-Lehrgang teilnehmen. Denn das Oberkommando befürchtet, die Rote Armee werde Gas einsetzen, um den Belagerungsring um Leningrad zu sprengen.

 

“Du hest aber wedder Glück, Helmut,” sagen die Leute, “de Iwan brickt bald ut. Und denn biss Du wiet wech vun’n Schuss! Ick günn tou giern mit Di mit.” / "Du hast du aber wieder Glück, Helmut. Der Iwan bricht bald aus. Und dann bist Du weit weg vom Schuss. Ich ginge zu gern mit Dir mit."

In der Tat: am 28. Januar 1944 beginnt der sowjetische Großangriff, die beiden Kessel von Leningrad und Oranienbaum werden aufgesprengt, und die Wehrmacht wird einige hundert Kilometer zurückgeworfen.

Aber fast bricht ihm hier sein Glück das Genick:
“Soldatenklau”, ein Offizier im Range eines Majors, patroulliert mit Feldjägern durch Reval und lässt sich von jedem Landser den Marschbefehl zeigen. Es spricht sich herum, dass er umgeht - “Soldatenklau” steckt jeden, der nicht klar sagen kann, wo sich seine Einheit befindet - und das sind viele in diesen Tagen des Rückzugs -  in eine zusammengewürfelte Kompanie aus Versprengten. Als er Helmut fragt, wo seine Einheit sei, antwortet er, wie  er’s weiß: “Bei Puschkin, Herrr Major!” “Machen Sie keine Witze, Brammer, da sind wir lange nicht mehr!” In der Tat, er hat recht. Und Helmut findet sich in einer Kompanie wieder, in der auch Angehörige der Waffen-SS (“Nordland-Division”) sind - “Rabauken, Schlägers, richtige Verbräkers tou’n Deil” ("Rabauken, Schläger - richtige Verbrecher zum Teil") - Norwegen, Dänen, manche direkt aus dem Knast. Sie wollen sich austoben, und Helmut weiß, denen ist alles egal.

Er ist nun “bei der Inf. gelandet” - bei der Infanterie, also ganz unten in der Rangfolge der Wehrmacht, den “Infanterieschweinen”, den “Frontschweinen”, die im Dreck liegen, bei denen, die ganz vorne Mann gegen Mann die Drecksarbeit machen müssen, und sie müssen bald zum Einsatz - aber der Iwan ist hier ja noch ruhig, schreibt er an Heinz - nicht an seine Eltern. Das kann er ihnen nicht schreiben, seinem Vater Karl, der den Ersten Weltkrieg überlebt hat und dessen älterer Bruder Hermann am 1. August 1915 "gefallen" ist, schon gar nicht. Heinz soll ihnen das erzählen, sonst machen sie sich zu viele Sorgen. Man kann das seinem Brief vom 29. Januar deutlich entnehmen. (Er ist anscheinend in 2 Etappen geschrieben; gleich nach dem ersten Satz hat er einen anderen Stift verwendet.) (Und wie gestresst und fertig er ist, wie er auch gealtert ist, kann man auch auf dem Bild rechts erkennen.)

“Soldatenklau” ist altgedienter Offizier und fanatischer Nazi. Im Ersten Weltkrieg haben ihm die Franzosen an der Westfront beide Hacken weggeschossen. Er kann nicht richtig stehen, wippt auf und ab: “Soldaten!” brüllt er die angetretenen Reihen an, “Was gibt es Schöneres, als für Deutschland zu sterben?”
Helmut denkt, aber er sagt es nicht: ”Leben ist besser!”

Er ist in jeder freien Minute am Bahnhof in Reval (Tallinn). Endlich trifft er einen aus seinem Haufen - bei Narwa sind sie jetzt . Er gibt ihm mit, man möge ihn, den Ladekanonier, unbedingt anfordern. Und so kommt es auch: ein Telegramm, ab in den Zug, und bald findet er seinen Haufen wieder, eben bei Narwa.


Osten, d. 29.I.44

Lieber Heinz!

Schnell will ich Dir einige Zeilen schreiben. In N. (offenbar Narwa) bin ich gestern gut angekommen habe in einer großen Fabrik übernachtet, hier wird ein jeder aufgefangen, ob Urlauber, Dienstreisende usw. ganz gleich von welcher Einheit, heute morgen war nun eine große Einteilung, es wurden mehrere Komp. aufgestellt, somit bin ch nun auch bei der Inf. gelandet, gesagt wird ja, daß wir in den nächsten Tagen wieder zur alten Einheit sollen; heute abend sollen wir allerdings noch in Stellung gehen , aber bis hier ist der Iwan ja noch nicht.
Nun lieber heinz, ich will dir man lieber nicht zu Haus schreiben. Du kannst es Vater ja mal erzählen.
Schreibt ruhig weiter auf meine alte F.P.N. (Feldpostnummer;  35860 war das)

Viele Grüße an Vater und Mutter

Dein Bruder

Ernst Buckendahl sein Haufen ist hier, habe schon einige getroffen.

 


   
 

Reval (heute Tallinn)

In Reval scheint er sich zuweilen wie ein Tourist gefühlt zu haben, jedenfalls bevor er "Soldatenklau" über den Weg gelaufen ist.
Unten findet sich ein ausklappbares Fotoalbum mit Ansichten der Stadt, das er seinen Eltern und seinem Bruder Heinz geschickt hat. Auf der Rückseite finden sich Stichworte zu den Ansichten in estnischer und in deutscher Sprache.

von oben: 1. Blick von See; 2. Tornide väljak / Platz der Türme; 3. Vana Raekoda / Altes Rathaus

 

4. Majad Toompea verul / Alte Häuser auf dem Domberge; 5. Vaade Toompeale / Totalansicht auf dem Domberg; 6. Aleksander Nevski peakirik / Alexander-Newski-Kathedrale (im Original nach links gedreht)

7. Toompea kindlus / Mittelalterliche Burg; 8. Viruvärav / Mittelalterliches Stadttor; 9. Vaade Toompealt / Aussicht vom Domberge


Muster: Rückseite der Fotos, die auch als Postkarten verwendet werden konnten