In dieser Gruppe von Bildern, die den Marsch durch Nordfrankreich zeigt, sehen wir vorrückende Soldaten, manche zu Pferde oder im Auto, die meisten marschierend, zerstörte Häuser, Rast auf der Treppe eines beschlagnahmten Hauses, Soldaten, die "Essen fassen", Wachtmeister Otto Schulz zu Pferde, Otto Schulz' Grab, Helmut vor einer Blechhütte, Helmut mit Stahlhelm und geschultertem Gewehr, wie er eine Pferdekoppel bewacht, einen Panzer in der Stadt und dort ein Verkehrsschild, das Richtung Cambrai zeigt, dann Bilder von einer Übung im Januar 1941 ("Schaergfschießen in Lounoa Ardennen Januar 1941" - ich vermute, er meint Launois-sur-Vence, bin mir aber nicht sicher.-

Juni/Juli 1940 wird Helmut in Nordfrankreich stationiert, in Calais. Nach England hätten sie geschossen mit ihren Kanonen; aber da Dover 37 km entfernt ist, sie aber nur 34 km weit hätten schießen können, seien ihre Granaten in den Ärmelkanal gefallen.

Es folgt eine Stationierung bei Amiens. Hier erlebt er etwas, das einen so dramatischen Eindruck hinterlässt, dass er immer wieder davon erzählt:
Er findet, als er an einem Sonntagnachmittag die Pferde füttern will. Da sitzt auf einem Bund Stroh sein Spieß. Er hat sich mit seiner Dienstpistole den halben Schädel weggeschossen. Tags zuvor hatte er sich “fürchterlich einen geblitzt”, war dann in die Dorfkirche gegangen und hatte dort im Vollsuff randaliert, Altargeschirr umhergeworfen und einer Marienstatue den Kopf abgeschossen. Ihm wurde vor versammelter Mannschaft ein Verfahren vor dem Kriegsgericht angekündigt. Das hat er offenbar nicht verwinden können.

Am 14. Juli 1941 sucht er das Grab von Karl Rademacher aus Bienenbüttel auf. Der ist am 28. Mai 1940 gefallen. Er schreibt seinen Eltern und Heinz davon. Mit Rademachers sind wir verwandt, und “mit Karl heff ick ümmer goud künnt” ("mit Karl habe ich immer gut gekonnt").

Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sein Grab gepflegt.

Spätere Stationierungsstandorte sind Honfleur ("hongflöhr"), Trouville, Deauville und Le Havre. Auch der obligatorische Ausflug nach Paris mit Gruppenfoto vor dem Eiffelturm ist drin (1. November 1941).

Eine Gelbsucht - er selbst sagt, da habe sich sein Schutzengel das erste Mal bemerkbar gemacht - erwischt ihn im Herbst 1941. Er liegt zunächst im nordfranzösischen Arras im Lazarett und wird dann nach Hamburg verlegt.Und seine Einheit wird als Artillerieregiment der süddeutschen 215. I.D. (Infanteriedivision) zugeteilt und in diesem Winter 1941/1942 nach Leningrad verlegt.

> Otto Schulz' Grab

 

Diese Bilder hat Helmut mit seiner AGFA-Kamera gemacht. Die Qualität ist manchmal sehr schlecht, auch weil manche Bilder aus dem Zug oder vom Pferd aus gemacht worden sind. Manche hat Helmut vom Negativ nachentwickeln lassen; das erklärt die unterschiedliche Färbung.
Seine handschriftlichen Überschriften oder Bildunterschriften habe ich übernommen, auch den gezackten Rand mancher Bilder mit eingescannt.  

 

Bilder: privat

Der Besuch von Paris und das Gruppenfoto vor dem Eiffelturm war unvermedilich.

Foto: privat