1930 hatten Emma (geb. Wolter) und Gustav Stuhtmann zu ihrer Silberhochzeit einen Teller aus Meißener Porzellan geschenkt bekommen mit einem Bild des Meißener Doms darauf und der Aufschrift "Aus Silber werde Gold".
Gold wurde es dann am 5. November 1955. Auf dem großen Flur des Ravener Stuhtmann-Hauses war eine festliche Tafel gedeckt, und  während Ansprachen gehalten wurden, warteten alle auf das leckere Essen. (Ich war damals gerade 5 Jahre alt, kann mich aber noch an diese Szene erinnern.) Ursel hatte leckeres Zungenragout vorbereitet, serviert in Pasteten und mit Salzkartofeln.

Auf dem Hof erschien eine Reiterstaffel aus Luhmühlen (Heinrich Garbers aus Vierhöfen, damals Anfang 20, der später Schwiegervater von Gustavs Großnichte Käte werden sollte) war dabei, ebenso Siegfried Scheefeld. Heinrich Garbers ist durch einen roten Punkt am oberen Bildrand auf allen 5 Bildern gekennzeichnet, Siegfried Scheefeld durch einen orangefarbenen auf einem der Bilder. Werner Behringer scheint auch dabei zu sein.

Vor dem Haus auf und vor dem Trittstein hatten sich die engsten Freunde und Brüder Gustavs mit Emma für den Fotografen aufgestellt:

Vordere Reihe: Fritz Thiede (Putensen, Schwiegersohn von Meta Cohrs, geb. Stuhtmann, Gustavs Schwester); Heinrich Stuhtmann aus Eyendorf (Gustavs jüngster Bruder); Emma Stuhtmann, geb. Wolter, Goldene Jubilarin; Gustav Stuhtmann, Goldener Jubilar - beide mit Anstecknadeln; hinter Emma: Karl Stuhtmann aus Soderstorf, Gustavs zweitjüngster Bruder; rechts hinter Gustav Dr. Fritz Ehlermann (aus Salzhausen, enger Freund der Familie und Jagdpächter); ganz rechts: Kurt Jagau aus Garlstorf, Hegeringleiter (1963 verstorben)

Hintere Reihe: von links: Stuhtmann jun. (Julius?): Albert Flindt, Uhrmacher aus Salzhausen; ??; Kurt Günter Jagau aus Garlstorf (1921-1997); Willy Koch im Bruch, Wetzen; ganz rechts: Karl Schulz, Westergellersen


Gustav Stuhtmann und Kurt Jagau waren sowohl üder den Hegering - passionierte Jäger, die sie waren - verbunden als auch über das Reiten:

"Man schrieb das Jahr 1911. Deutschland in Frieden, Wohlstand und Glück. Da kamen am 20. September in Nebens Gasthaus zu Luhmühlen 24 Männer zusammen, die von dem einen Gedanken beseelt waren, einen Zweig des landwirtschaftlichen Betriebes, die Pferdezucht, aktiv in ihren Betrieb einzuschalten. Die kurze Aussprache, die der Gründung des Pferdezuchtvereins Lüneburger Geest voraufging, ließ erkennen, daß man freudigst und bereitwilligst die Tat aufgriff. Die vorgenommenen Wahlen zum Vorstand hatten folgendes Ergebnis:  1. Vorsitzender Gutsbesitzer Heinrich Jagau, Garlstorf*; 2. Vorsitzender Gutsbesitzer W. Funcke, Etzen; weiterhin gehörten dem Vorstande an die Hofbesitzer J. H. Putensen, Toppenstedt;  G. Främbs, Döhle; Thiede, Eyendorf;  G. Stuthmann, Raven;  G. Müller, Soderstorf;  P. Benecke, Westergellersen und Gutsbesitzer Heinrich Vogt, Rehrhof. Zum Schriftführer wurde A. Stein, Garlstorf, gewählt."
(Harburger Kreiskalender. Ein Heimatbuch auf das Jahr 1959, S. 103)

* Heinrich Jagau war der Vater von Kurt Jagau und der Großvater von Kurt GHünter Jagau, die beide oben im  Bild zu sehen sind.

 

 

     

Eine Reiterstaffel aus Luhmühlen hat Aufstellung genommen. Den Reiterverein Luhmühlen hat Gustav Stuhtmann 1903 mitgegründet, und er war ein versierter Pferde- und Hundezüchter.
Die Reiter stehen vor dem alten Schafstall, der am 11. Juni 1962 (Pfingstmontag) infolge Brandstiftung abgebrannt ist. Das musste Gustav nicht mehr miterleben; er ist 1956 verstorben.

Emma-1-2Im Frühjahr 1905, vielleicht zu Ostern (1905 war das am 23./24. April) haben sich Emma Wolter, Tochter des Küsters, Kantors und Schulmeisters Wolter in Raven, und Gustav Stuhtmann, Landwirt auf dem Hof Nr. 1 verlobt. Emmas Freundin Marie ("auf dem Rüterhof genannt 'Hörnchen'", wie sie selbst schreibt), die gerade in Bremen weilt, hat davon erfahren und schreibt ihr.

Den Wortlaut des Briefes habe ich aus Sütterlin transkribiert.
Unten ist das Original im Faksimile - man beachte das Rosenmuster und die Prägung auf dem Papier.

 

Bremen, 17.05.
1905

Meine liebe gute Emma!

Im Geiste reiche ich dir die Hand u. sage dir meine innigsten Segenswünsche. Du hast mich wirklig (sic) sehr überrascht.
Denn ich hatte wirklich keine blasse Ahnung. Nun wünsche ich dir, mein liebes Mädchen, von Herzen alles Gute. Mögest du recht glücklich und zufrieden werden! Gerne hätte ich persönlich gratuliert, doch leider ist mir dieses nicht vergönnt. Doch hoffe ich,  deinen Verlobten später einmal kennen zu lernen. Nun sag mir mal; kenne ich denn deinen Schatz? Ein junger Mensch namens Stuhtmann, war früher mal auf einer Hochzeit in Soderstorf mein Tischherr,  wie er mit Vornamen geheißen hat, weiß ich nicht, ist derselbe vielleicht der Glückliche? Ich möchte es doch ganz  gerne einmal wissen, sobald du irgend Zeit hast, schreibe mir doch einmal, natürlich auch deine Liebesgeschichten. Bitte, bitte, liebe Emma! Schreibe bald. Nun l. Emma will ich schließen. Ich freue mich schon auf meine Heimreise, vielleicht gehe ich zum Herbste für immer aus Bremen,  um immer wieder andere Luft zu genießen. Grüße deine lieben guten Eltern u. sage ihnen von mir die herzlichsten Glückwünsche. Nun lebe wohl liebe Emma u. sei herzlich gegrüßt von Deiner

treuen Freundin Marie
Im Rüterhof genannt
Frl. Hörnchen

Deine Zukunft werde rosig
So wie dieses Briefpapier    d.O.

 

 

 

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Anna Emma Thyra Alberdine Stuhtmann, geb. Wolter (* 12. Januar 1880, gest. 1. August 1964) stammte aus der Ravener Schule; ihr Vater war Lehrer, Kantor, Organist und Küster gewesen (“Köster Wolter”). 1905 heiratete sie auf den Stuhtmannschen Hof. Anlässlich ihrer Verlobung hat sie einen Brief von ihrer Freundin Marie ("auf dem Rütherhof genannt 'Hörnchen')", wie sie schreibt.
Sehr wahrscheinlich auf ihre Veranlassung hin wurde der große Flur mit dem charakteristischen gelb-dunkelgrauen Muster gefliest; das findet sich nämlich auch in der Schule im Flur.

Am 1. November 1906 brachte sie ihre Tochter Käthe zur Welt. Diese verstarb schon 1924 mit 17 Jahren. Tante Emma trug seither bis zu ihrem Tode 40 Jahre später nur schwarz. Ursel sagte: “Sei het jümmer ‘n oole Frou wän. Anners hef ick iar guar nich kennt.” (Sie ist immer eine alte Frau gewesen. Anders habe ich sie auch gar nicht gekannt.)

Für uns Kinder war sie, die Altenteilerin, unsere  “Oma”, und zu uns war sie immer ausgesprochen großzügig, steckte uns Geld zu und kleine Geschenke. Ursel gegenüber spielte sie sich aber immer wieder als Herrin des Hauses auf. Sie ließ Ursel wissen: "'n Hoff to kriegen, dat is ööch. 'n Hoff to hemm', dua hört wat tau." "Einen Hof zu kriegen, das ist leicht. Einen Hof zu (er-)halten, dazu gehört was." Ursel war ja nun, wie Gustav es eingefädelt hatte, die Hoferbin. Wenn Besuch kam, musste Ursel nach oben in ihre Kammer. GUstav brachte ihr öfters ein Stück Kuchen oder ein Rundstück mit Honnich (ein Honigbrötchen) und eine Tasse Kaffee nach oben.
Und Emma war sehr fromm. Sie ging, so lange sie es noch konnte, jeden Sonntag und jeden Feiertag in die Kirche. Nach einem uralten Gesetz war die 3. Reihe links (von der Kanzel aus) die Reihe, die zum Hof gehörte. Man erzählt, dass einmal ein "Sommergast" (ein Tourist) aus Hamburg da auf Emmas oder Gustavs Platz gesessen hat. Emma aber habe sich auf dessen Schoß gesetzt. Auf dessen verwunderte Frage, was ihr denn einfalle (die Kirche war allenfalls halbvoll) entgegnete sie: "Sie haben hier nichts zu suchen. Das ist unser Platz. Wir sitzen hier seit 700 Jahren."
Emmas Religiosität war eine sehr strenge; für sie war "der liebe Gott" einer, der unerbittlich strafte. Vor Gewitter hatte sie furchtbare Angst und fing sofort zu beten an: "Wenn es gewittert, ist der liebe Giott erzürnt."
Als einmal ein Haus durch Blitzschlag abbrannte, war ihr klar, woran das lag: Der war Weihnachten nicht in der Kirche gewesen ...

Emma war außerordentlich belesen. Und einer ihrer Ftreunde war Dr. Friedrich Ehlermann aus Salzhausen, ein andeer Eduard Wildhagen, der eine Kolumne im "Hamburger Abendblatt" hatte. Sie verfolgte genau, was sich in der Politik tat. Mir ist noch in Erinnerung, wie sie weinte, als der ehenm. Bundespräsident Heuss starb. (Als Kind hatte sie erlebt, wie 1888, im Drei-Kaiser-Jahr erst Kaiser Wilhelm I. starb, dann 99 Tage später dessen Sohn Friedrich III., auf den dannn Wilhelm II. folgte.)  
1961 kaufte sie sich einen Fernseher. Als John F. Kennedy im Juni 1963 Berlin besichte, habe ich das mit ihr am Fernseher verfolgt. Und als am 22. Noevmber 1963, es war Hans' Geburtstag, Kennedy erschossen worden war, da riss sie die Stubentür auf und rief: "Kommt schnell an den Fernseher, Kennedy haben sie erschossen."


Hier kommen ein paar Bilder mit ihrem Bruder Julius, ihrer Schwägerin Klara Wolter sowie ihrer Nichte Senta Kieß, außerdem Emma Wolter als junge Frau.

Emma Wolter als junge Frau.

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Emma-1-2Im Frühjahr 1905, vielleicht zu Ostern (1905 war das am 23./24. April) haben sich Emma Wolter, Tochter des Küsters, Kantors und Schulmeisters Wolter in Raven, und Gustav Stuhtmann, Landwirt auf dem Hof Nr. 1 verlobt. Emmas Freundin Marie ("auf dem Rüterhof genannt 'Hörnchen'", wie sie selbst schreibt), die gerade in Bremen weilt, hat davon erfahren und schreibt ihr.

Den Wortlaut des Briefes habe ich aus Sütterlin transkribiert.
Unten ist das Original im Faksimile - man beachte das Rosenmuster und die Prägung auf dem Papier.

 

Bremen, 17.05.
1905

Meine liebe gute Emma!

Im Geiste reiche ich dir die Hand u. sage dir meine innigsten Segenswünsche. Du hast mich wirklig (sic) sehr überrascht.
Denn ich hatte wirklich keine blasse Ahnung. Nun wünsche ich dir, mein liebes Mädchen, von Herzen alles Gute. Mögest du recht glücklich und zufrieden werden! Gerne hätte ich persönlich gratuliert, doch leider ist mir dieses nicht vergönnt. Doch hoffe ich,  deinen Verlobten später einmal kennen zu lernen. Nun sag mir mal; kenne ich denn deinen Schatz? Ein junger Mensch namens Stuhtmann, war früher mal auf einer Hochzeit in Soderstorf mein Tischherr,  wie er mit Vornamen geheißen hat, weiß ich nicht, ist derselbe vielleicht der Glückliche? Ich möchte es doch ganz  gerne einmal wissen, sobald du irgend Zeit hast, schreibe mir doch einmal, natürlich auch deine Liebesgeschichten. Bitte, bitte, liebe Emma! Schreibe bald. Nun l. Emma will ich schließen. Ich freue mich schon auf meine Heimreise, vielleicht gehe ich zum Herbste für immer aus Bremen,  um immer wieder andere Luft zu genießen. Grüße deine lieben guten Eltern u. sage ihnen von mir die herzlichsten Glückwünsche. Nun lebe wohl liebe Emma u. sei herzlich gegrüßt von Deiner

treuen Freundin Marie
Im Rüterhof genannt
Frl. Hörnchen

Deine Zukunft werde rosig
So wie dieses Briefpapier    d.O.

 

 

 

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Christa, Tante Senta - Senta Kieß, geb. Wolter aus Hannover,  "Oma" Tante Emma, Klara Wolter, ihre Schwägerin aus Hannover, die erblindet war


Julius Wolter, Organist und Kantor an seinem Flügel. Julius war Emmas Bruder und stammte wie sie aus dem Ravener Schulhaus. Beider Vater war "Köster" Wolter.

Der Organist Julius Wolter, Emmas Bruder in seiner Hannoveraner Wohnung am Klavier - Steinweg Nachf. Seine Nichte Käthe auf dem Hof in Raven hatte ein Bechstein-Klavier, mit Intarsien-Schrift: "Bechstein Dresden 1912", Kerzenhalter an den Seiten. Es stand seit 1924 in der unbeheizten Kammer, war ganz verstimmt.
Ich habe darauf Adventslieder für Oma (Tante Emma) gespielt. Der Chef hat es 1983 für 500 Mark vertickt - “Dat ole Deiet steiht sick je bloß geputt” / "Das alte Ding ("Tier") steht sich doch bloß kaputt."
Sehr schade.

 

Käthes Mutter Emma hat alle Postkarten, die Käte zum Geburtstag, zu Weihnachten, Neujahr und Ostern erhalten hatte, in einem Album aufbewahrt.
Das ist ein wahrer Schatz an Bildmotiven und Mitteilungen. Übrigens war es damals selbstverständlich, dass eine Karte, die am 31.10. in die Post gegeben wurde, pünktlich zu ihrem Geburtstag am 1. November zugestellt wurde. Man ließ es sich nicht ankommen, zu spät zu gratulieren.

Es werden in der kalendarischen Reihenfolge die Neujahrs-, Oster- , Geburtstags- und Weihnachtskarten aufgeführt:


     
#1 Neujahrskarten:


 

 

    

#2 Weihnachtskarten: