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Lazarett

Nach ganz ruhiger Überfahrt - zwischen dem 16. und 18. September auf der spiegelglatten Ostsee, “wot woi dat fein, ick heff de meiste Tied an Deck inne Sünn lägen”, in der Sonne an Deck auf einem zum Lazarett-Schiff umgerüsteten  KdF-Dampfer - legt der Transport in Danzig an. Die Verwundeten werden auf verschiedene Lazarette verteilt, Helmut kommt nach Konitz (heute Chojnice); dieses alte Städtchen liegt in Westpreußen, etwa 100 km südwestlich von Danzig an der Strecke nach Schneidemühl in Pommern. (Die beiden Verknüpfungen / links hinter Konitz/Chojnice verweisen auf eine reicht bebilderte Seite; man kann sich ein Bild von der Stadt machen, in der Helmut bis nach Weihnachten 1944 gewesen ist. Weihnachten 1944 war er bei Familie Wiese, Gartenstr. 17; und die Tochter Helene hatte es ihm angetan. Das Haus hätte er gerne nochmal sehen wollen.)

Hier im Lazarett spielt er 17 und 4 und haut sein Postsparbuch auf den Kopf - mit gut 4000 RM, die eigentlich als Aussteuer und Startkapital für die Zeit nach dem Krieg gedacht sind. “So kaputt, oder so kaputt”, das ist die Devise. Wenn der Krieg schon verloren ist, dann muss es aber bitteschön lustig zugehen, so lange es geht.

17 und 4 bleibt eine seiner Leidenschaften, auch noch 25 Jahre später im Hinterzimmer nach dem Preisskat.

Er schreibt nach Etzen, dass er nunmehr im Lazarett sei, aber dass er zusehen wolle so schnell wie möglich wieder an die Front zu kommen.

Karl schreibt zurück mit einer geheimnissvollen verschlüsselten Botschaft: “Halte die Stellung! Denke daran, was ich Dir aus Eger erzählt habe!” Eger? Natürlich, das böhmische Eger war 1914 Lazarettort, und Karl lag dort 1916 nach seiner Verwundung, die er sich in den Gefechten gegen die Russen in Galizien (heute Südpolen) zugezogen hatte. Was hatte er gemacht? Helmut denkt nach. - Klar, man nehme eine Kupfermünze, möglichst mit etwas Patina dran, und schiebe sie unter den Verband - Blutvergiftung fast sicher, in jedem Falle aber eitert die Wunde, das bedeutet Verlängerung im Lazarett. Das machen viele so, man muss nur wissen, wann Visite ist und wann Verbandswechsel. Sonst kommt man vor das Kriegsgericht - wegen Selbstverstümmelung (gleich “Feigheit vor dem Feind”) ist mit manchem schon “kurzer Prozess” gemacht worden.

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